Wirtschaft/Gesellschaft


1. Das große Unbehagen der Jugend in Europa
2. Der französischen Wirtschaft geht es gut und die Restaurants sind ausverkauft 
3. Wenn Freiheit selbstmörderisch wird  
4. Hübsches  Programm! Ein Artikel von Claude Donnadieu
5  Wie können die Staatschulden getilgt werden? 
6. Die angebliche, medizinische Versklavung des deutschen Volkes
7. Tja, die schöne alte Zeit


Das große Unbehagen der Jugend in Europa

Laut Umfragen des European Council of Foreign Relations (ECFR) ist in zwölf europäischen Ländern die europäische Jugend stärker von der Gesundheitskrise betroffen als ältere Menschen:
57 % der jungen Menschen geben an, dass ihr Leben in Bezug auf Gesundheit und Lebensstandard beeinträchtigt wurde, während dieser Prozentsatz bei den älteren Menschen nur 35 % beträgt. Auch ihr Misstrauen gegenüber den Maßnahmen der Regierungen zur Bekämpfung der Epidemie ist mit einer Skepsis von 43 % deutlich höher als bei den Älteren, bei denen die Quote bei 28 % liegt. Außerdem war diese Skepsis in Deutschland aus welchen Gründen auch immer höher als in den anderen europäischen Ländern.
Meinungsforscher gehen davon aus, dass dieser Umstand die deutschen Jugendlichen noch stärker als die Durchschnittsdeutschen ein Gefühl des Freiheitsverlustes verschafft hat, so dass sie für die FDP gestimmt haben, die Selbstbestimmung und Freiheit auf ihre Fahnen geschrieben hat. Die Umfragen ergaben, dass 27 % der Bürger in der Europäischen Union das Gefühl haben, dass ihre Freiheit durch die Lockdownmaßnahmen und Barrieregesten beschnitten wurde, während die dieses Gefühl bei 68 % bei den Deutschen liegt. Dies ist ein ziemlich überraschendes Ergebnis, das zeigt, dass die Deutschen doch vielleicht anders sind, als ihre Nachbarn es sich vorstellen.
Wir empfehlen die Lektüre unseres Artikels über das liberale Votum der Jugend weiter unten unter "Europa". (Redaktion "C l'Europe" mit ECFR und "Welt". 29/09/2021)

Das große Unbehagen der Jugend

So kommt es, dass wir unter unseren Mitgliedern unbeabsichtigt eine Mehrheit von jungen Menschen zwischen 18 und 35 Jahren haben, und unter ihnen eine kleine Mehrheit von jungen Frauen. Sicherlich, weil der europäische Gedanke doch attraktiv ist und weil ein Grossteil der Jugend nicht nur Landsleute treffen will. Darüber hinaus, weil die Jüngsten unter uns die gleichen Rechte und Pflichten wie die Ältesten haben. Wir sind eben "cool" und tolerant. Europa hat viele Facetten und jede, jeder darf sich ihre-seine auswählen Lediglich die Beitragssätze unterscheiden sich, allerdings zu Gunsten der Jungen.

Dies ist aber ein sehr kleines Privileg. Denn die jungen Leute von heute sind in Schwierigkeiten. Abgesehen davon, in Kriegszeiten zwanzig Jahre alt zu sein, ist nichts schlimmer, als in Covid-Zeiten ebenfalls zwanzig zu sein.

Ein französischer Schriftsteller, Paul Nizan, der im Alter von 35 Jahren im Krieg fiel, schrieb 1931: "Ich war zwanzig. Ich werde es nie zulassen, dass man sagt, dies sei das schönste Alter des Lebens". Das Virus tötet die Älteren, der Krieg die Jüngeren. Die Tatsache, dass wir keinen offenen Krieg haben, ist sicherlich eine große Chance für die jungen Menschen. Frieden ist zum natürlichen Zustand Europas geworden. Wie könnten sie sich jedoch darüber freuen, wenn sie nicht wissen, wie Krieg aussieht? Das Virus ist für sie zwar nicht so gefährlich wie Krieg, aber es ist keine Kleinigkeit, die man von der Hand weisen kann. Einige unserer Mitglieder wurden positiv auf Covid getestet. Einige haben gelitten. Alle haben überlebt. Müde. Rekonvaleszent. Genesend.

Überall herrscht Zweifel

Sollte die Pandemie anhalten, würden junge Menschen eine Verzögerung im Leben erleiden, eine Amputation ihrer produktiven und kreativen Jahre, des Frühlings ihres Lebens. Und es ist nicht sicher, ob wieder ein Virus von irgendwoher kommt. Wir sind in eine Ära der unerklärten und vielleicht, unvorhergesehenen und unbeabsichtigten viralen Kriegsführung eingetreten. Wir zweifeln an allem. Die Angst und die Ungewissheit verunsichern viele und schaffen Raum für Verschwörungstheorien und falsche Heilbringer. Das ist aber kein Phänomen unserer Zeit. Bereits während der Pest-Epidemie im Mittelalter zogen Flagellanten in „Geißlerzügen“ durch die Städte, da sie dachten die Pest wäre eine göttliche Strafe und man könne so Buße tun.

Das grössere Problem steckt für die jungen Menschen anderswo. Und zwar ganz besonders in der neuen Labilität des Bildungs- und Ausbildungssystems. So sind Fakultäten und Schulen geöffnet, manchmal geschlossen. Werden die Prüfungen ab dem Abitur stattfinden, damit das Studienjahr nicht ausfällt? In welcher Form und wann wird geprüft werden ? Und was werden die schnell erworbenen Diplome wert sein? Die Sorge erstickt diejenigen, die auf der Suche nach Arbeit sind. Das Virus und seine Eindämmung blockieren die ohnehin schon schwierige Suche. Aber die Suche danach wird noch schwieriger als zuvor sein. Einer bekommt die Stelle, hundert werden abgelehnt? Das Fernsehen zeigt uns Unternehmen und Geschäfte, die noch arbeiten, um uns zu ermutigen, aber wir können auf der Straße sehen, dass viele Läden endgültig geschlossen haben. Das könnte die Welt sein, in die die jungen Menschen eintreten werden.

Wer wird die Schulden abbezahlen?

Die Regierungen haben mit Hilfen und Subventionen viele Mitarbeiter vor der Arbeitslosigkeit und Unternehmen vor dem Ende bewahrt, aber wer zahlt und wann? Eines Tages werden wir es zurückzahlen müssen. Müssen die heutigen Teenager und Post-Zwanziger die abgrundtiefe Schuld abbezahlen? Oder zu einer Tauschwirtschaft zurückkehren, wenn das Geld wertlos wird? Die Werbung zugunsten digitaler Währungen zeigt uns, es kann auch alternativ,e nicht staatliche Währungen geben, zumal wir kaum noch bar mit Papier und Metall bezahlen. Ob sie tatsächlich die sicheren Währungen der Zukunft sind, wird sich weisen.

Niemand ist sicher, dass er morgen in eine lebenswerte Welt kommt. "Ein junger Mann, eine junge Frau : eine Lösung", sagte die französische Arbeitsministerin Elisabeth Borne, jetzt eigentlich Ministerin für Unterbeschäftigung. Ihr 6,7-Milliarden-Euro-Plan gewährt Ausbildungsprämien zwischen 5.000 und 8.000 Euro. Die Universitätskantinen geben komplette Mahlzeiten für einen Euro. Das macht es ihnen möglich zu überleben, aber überleben ist nicht leben.

Man könnte das Gefühl bekommen, als ob junge Menschen auf das Betteln reduziert würden, anstatt den einen oder anderen Mini-Job anzunehmen, der es ihnen ermöglichte, über Wasser zu bleiben. Es war schon ein Opfer, neben dem Studium zu arbeiten, aber auch die Opfer werden abgeschafft. Die Wirtschaft ist gelähmt. Nur wer in systemerhaltenden Positionen mit Geld umgeht oder für Essen, Transport, Sauberkeit und Gesundheit arbeitet, hat noch viel zu tun. Gegenstände, Produkte und Dienstleistungen, die nicht essbar sind oder Leben unmittelbar retten , sind nicht mehr gefragt.

Wo steckt des Problem für die Jugend?

Was sie am härtesten trifft; ist das Arbeitslosenvirus,. Und die Pandemie hat diesen Zustand deutlich verschlimmert. Im Jahr 2018, der letzten erfassten Zahl, gab es in Frankreich fast eine Million junger Menschen im Alter von 15 bis 25 Jahren, die ohne Beschäftigung oder Ausbildung waren, d. h. 12,9 % dieser Altersgruppe. Die Pandemie hat diese Zahl vervielfacht. In Österreich und Deutschland war es bei weitem nicht so schlimm, aber jetzt werden wir ein weitere Krise erleben, eine psycho-soziale Krise, wenn die Jugend das Ende ihrer psychischen und monetären Leistungsfähigkeit erreicht. Wohnungslos, obdachlos, hungrig? Mit Ausnahme derjenigen, deren Eltern noch zahlungsfähig sind.

Können wir uns Scharen junger Menschen vorstellen, die sich gegen die scheinbar dunklen Kräfte auflehnen, die das Leben und den Planeten untergraben und die von den Staaten mit ihren gewählten Beamten und Staatsdienern verkörpert werden? Denn es muss Menschen geben, die dafür verantwortlich sind. Man wird Sündenböcke suchen. Hat der französische Komiker Coluche das nicht schon vor langer Zeit gesagt? "Die Hälfte aller Politiker ist zu nichts zu gebrauchen. Die anderen sind bereit, sich alles in die Taschen zu stecken“. Es ist nicht schwer, die Menschen zur Rebellion anzustacheln, aber sie zögern, ihre Pantoffeln gegen Schuhe auszutauschen, um auf die Straße zu gehen.
Junge Menschen verkriechen sich nicht mit Pantoffeln in ihre Schale. Im Moment sind sie eher deprimiert. Bald werden sie wütend sein. Das Wort Wut ist eines der meist missbrauchten Wörter der letzten Jahre. Individuelle Wut ist meist spontan. Die kollektive Wut wird künstlich hergestellt. Wut kann eingeimpft werden, wenn es in Mode ist, wütend zu sein. Und wenn die Jugendlichenvon Querdenkern beeinflusst, die sich in neuen Medien festsetzen, beschließen, alles kurz und klein zusammen zu schlagen, kann das ein reales Problem für die gesamte Gesellschaft werden. Es besteht die Gefahr einer verlorenen Generation.

Die Versuchung des Krieges

Werden wir am Ende der Pandemie eine Hysterie oder eine Depression erleben? Nach Angaben des franzöischen Gesundheitsministers Olivier Véran zeigte "während der Eindämmung fast jeder dritte Student Anzeichen einer psychischen Depression". Aber Gurus und Aufwiegler erzählen den Jugendlichen, dass ihr Übel an der Gesellschaft liegt, weil diese böse ist, und dass sie nicht dafür verantwortlich sind und dass sie das ändern können. Verschwörungstheorien, wie gesagt, und einfache Erklärungen greifen jetzt schon um sich. Sie werden auch von bekannten Persönlichkeiten aus Film und Fernsehen und sogar von Spitzenpolitikern verbreitet und für ihre Zwecke genutzt.

Nicht nur Jugendliche sind dafür sehr empfänglich. Auch Staats- und Regierungschefs die von Verschwörungen jüdischer Milliardäre oder dem Trinken von Chlor fabulieren, sind vor solchem Irrsinn nicht geschützt. Es scheint, als würden viele einen Krieg vermissen. Krieg liegt in den Genen der Menschen, das ist sicher, aber bei einigen von ihnen im Übermaß. Besonders bei jungen Menschen, deren Leben im Umbruch ist, die vor der Ungewissheit stehen und deren körperliche Verfassung den Trugschluss auf die eigene Unverwundbarkeit zulässt. Zumal Europa die längste Periode in seiner Geschichte ohne Krieg erlebt, haben Viele das subjektive Empfinden, es fehlt ein Krieg. Man sieht nicht mehr viel von der pazifistischen Jugend, die in den 1970er und 80er Jahren große Demonstrationen veranstaltete.

Aber wo ist der Feind? An der Staatsspitze? Die die lange genug gelebt haben, wissen, dass die Revolution ihre Kinder frisst. Zuerst werden die vermeintlichen Gegner guillotiniert und dann guillotiniert man sich gegenseitig, denn es ist schwierig, die Maschine zu stoppen, wenn sie einmal läuft. So endeten die jakobinische Revolution, die der Bolschewiken und die von Mao Zedong und Castro und vieler anderer.

Es muss auch gesagt werden: Die Wüste der Barbaren bedroht die Jugend von morgen. Es droht ein schwindelerregender Absturz des Kulturniveaus, verursacht vor allem durch die Möglichkeit jedes einzelnen, seine absurden Theorien leicht einer unermesslichen Menge an (jungen) Menschen zugänglich zu machen. Diese Entwicklung kann aber auch als Demokratisierung der Medienwelt gesehen werden. Dadurch kann dem Absturz des Kulturniveaus, dem Absturz in eine erneute Barbarei, auch verhindert werden. Auch die vernünftigen, friedfertigen und rationalen haben die Möglichkeit, sich, ohne dem Gutdünken eines großen Medienhauses oder großen Verlages ausgesetzt zu sein, einem weiten Publikum zu präsentieren. Das virtuelle Leben ist Segen und Fluch.

Virtuelles ersetzt das reale Leben

Die Menschheit hat hier eine Wendung genommen. Die neuen Generationen unterscheiden sich von den vorangegangenen durch den Einsatz von digitaler Technik. Lasst uns die Errungenschaften der modernen Technik loben! Hätten wir diese Pandemie vor dreißig Jahren erlebt, wären wir an Einsamkeit gestorben. Das Web hat Bibliotheken und Archive ersetzt, und digitale Dienste wie Skype und Zoom haben Treffen und Begegnungen möglich gemacht. Noch mehr als die Alten haben die Jungen davon profitiert. Ein Schwarzmaler sagte, dass das Internet nicht zum Wissen führt, sondern es eher ersetzt. Verlassen sich die heutigen Zwanzig- und Dreißigjährigen zu sehr auf den Computer? Es gibt viele Debatten zu diesem Thema und wir werden sie in den kommenden Monaten und Jahren allmählich in unserer Paneuropäischen Konferenz behandeln. Wir teilen aber nicht die landläufige Ansicht, dass die heutigen jungen Menschen geistig schwächer geworden sind. Sie wissen, wo die Informationen sind, und das ist es auch, worum es in der Kultur geht: Zu wissen, wo die Dinge sind. Zudem ist es in unserer enorm spezialisierten Gesellschaft unmöglich geworden, alles zu wissen. Der Arzt oder der Lehrer können nicht alles Wissen, aber sie können lernen, es nachzuschlagen. Das digitale Zeitalter hat dies leichter und effizienter gemacht. Der Mechaniker kann sofort ein Tutorial auf Youtube ansehen, wenn er etws nicht weiss, der Jurist sofort online ein Gesetz nachschlagen.

Euroland, Land der Jugend

Jungsein war freilich früher zur Zeit des Wirtschaftswunders und ohne Pandemie angenehmer als heute, aber es hat die heute Älteren nicht klüger gemacht. Viele junge Menschen, Jungen und Mädchen, werden heute von Großzügigkeit und vom Wunsch zu dienen angetrieben und ihr in der offenen Welt vor der Pandemie angesammeltes Wissen nützlich zu machen. Sie sind für die Generationen der Zweiten Nachkriegszeit eine große Überraschung. Das Bedürfnis, Gleichgesinnte aus ganz Europa zu treffen und mit ihnen etwas aufzubauen, ist bei ihnen stark ausgeprägt. Die europäische Staatenwelt wird von ihnen nicht mehr als Konflikt, sondern als Schulterschluss empfangen.
Unsere Mannschaft, die sich aus sehr jungen, aus jungen, aus älteren und aus alten Menschen zusammensetzt, hat sich vorgenommen, Sprungbretter und Plattformen zu schaffen, die den neuen Generationen die Möglichkeit geben, in einem offenen und vielfältigen Umfeld zu arbeiten, aus geschlossenen Horizonten herauszukommen und sich kulturell zu bereichern. Sie müssen auch lernen, sich selbst nicht zu unterschätzen, ohne dabei in die Arroganz zu verfallen, sich als Eigentümer der letzten Wahrheit zu betrachten. Und als Gegengift zur Arroganz, auch zur nationalistischen Arroganz, gibt es nichts Besseres als dieses Europa, das wir machen, wenn wir an uns selbst arbeiten, das uns aber auch unsere Grenzen aufzeigt.

Die Rückkehr zur Realität wird nach der Pandemie wichtig sein. Und wenn wir schon nach Auswegen aus der Lähmung suchen, sollten wir an den Sport denken, nicht an den Sport am Bildschirm, nicht an den Sport auf den Stadionbänken, sondern an den Sport, den wir betreiben. Einer der schlimmsten Schäden des Lockdowns hat die Teenager getroffen, die viel mehr Zeit vor dem Bildschirm als bei körperlicher Aktivität verbracht haben. Sie sollten es jetzt umgekehrt machen, sonst werden sie nicht gut altern. Zur Befreiung von der Einsperrung zwischen den eigenen vier Wänden wird auch gehören, die sowieso unsichtbaren Grenzen des Schengenraumes und etwas weiter zu überschreiten, um von Land zu Land wie die wandernden Gesellen im Mittelalter und davor zu gehen.

Schengeraum, Eurozone, das ist Europa heute, das ist Euroland. Dieser Kontinent ist unser. Er ist uns offen und alle Lockdowns sind vergänglich. (Jean-Paul Picaper, Präsident von “ Es ist Europa“, „C l’Europe“ - Dominik Possert, Vize-Präsident Präsident von „Es ist Europa“, „C l’Europe“.  15.12.2020)

Der französischen Wirtschaft geht es gut und die Restaurants sind ausverkauft

Ausnahmsweise kann sich Frankreich freuen. Es hat die besten Wachstumsraten nach dem Covid in der Europäischen Union. Die wirtschaftliche Erholung war stark. Dies sagte Präsident Macron am Montag, den 8. November, im Fernsehen. Dies war keine Propaganda. Es ist eine Tatsache. Seine politischen Gegner, die ihm im April 2022 den Titel streitig machen wollen, haben kaum eine Chance auf Erfolg.
Außerdem liegt Emmanuel Macron in den Umfragen weit vorne. Er dominiert das Geschehen weitgehend, während die anderen sich untereinander streiten. Wie sein Sprecher Gabriel Attal sagte, wird er seine Aufgabe als Präsident bis zum Ende seiner fünfjährigen Amtszeit erfüllen, und als Präsident hat er das Recht und sogar die Pflicht, mit den Franzosen über Frankreich zu sprechen.Er macht dabei nicht Wahlkampf.
Frankreichs BIP ist im letzten Quartal 2021 um 3 % gewachsen, besser als das aller anderen europäischen Länder und sogar der Vereinigten Staaten, deren BIP um 2 % wuchs. Die französische Wirtschaft wird im gesamten Jahr 2021 um 6,3 % wachsen. Der Anstieg ist so stark, dass sie diese Zahl auch bei einem Nullwachstum im vierten Quartal erreichen würde.
Diese Entwicklung ist, wie so oft in Frankreich, das Ergebnis einer Beschleunigung des Konsums der privaten Haushalte, insbesondere im Sommer, in dem die Ausgaben um +5% stiegen, während sie im zweiten Quartal nur +1,3% betragen hatten. Der Anteil der Ausgaben der privaten Haushalte am BIP-Wachstum beträgt 2,5 %. Dieses Ergebnis wäre jedoch nur zyklisch. Es ist jedoch klar, dass die Politik der Regierung zu dieser guten Erholung beigetragen hat.
Zunächst einmal war die Impfpolitik in Frankreich dynamischer als in den meisten anderen europäischen Ländern. Drei Viertel der Franzosen sind doppelt oder dreifach geimpft, was beispielsweise nur bei der Hälfte der Deutschen der Fall ist. Das mag überraschen, denn die Franzosen haben mehr Disziplin und Bürgersinn an den Tag gelegt als ihre europäischen Nachbarn, zum Beispiel die Niederländer. Sie übten systematisch die Barrieregesten.
Die Regierung hat das Bedürfnis der Franzosen nach Geselligkeit, Unterhaltung und der in ihrem Land so ausgeprägten Vorliebe für ein gutes gemeinsames Mittagessen im Freien oder in schönen Restaurants verstanden und eine sanfte Verpflichtung eingeführt, indem sie den Gesundheitspass systematisiert hat. Es hat gefallen. Die Demonstrationen der "Anti-Vax"-Bewegung haben nachgelassen. Ihre Ideen, die wenig mit Gesundheit zu tun haben, wirken in Frankreich absurd, ja lächerlich. Dies ist in Deutschland (oder den Vereinigten Staaten) nicht der Fall, wo viele Bürger diesen Unsinn ernst nehmen.
Einer der Hauptfaktoren für das Wachstum sind sicherlich die Restaurantrechnungen, die im Durchschnitt höher sind als vor der Krise. Dies ist auch auf einen Anstieg der Lieferpreise um 5-10 % zurückzuführen. Die Gastronomen gaben die Preise ihrer Lieferanten und Händler, die im dritten Quartal um durchschnittlich 5,5 % stiegen, an ihre Kunden weiter. Von dieser Preiserhöhung waren alle Lebensmittel betroffen. Bäckereien und Konditoreien brachen alle Rekorde an Umsatz.
Ein wichtiger Faktor war auch die Rückkehr der ausländischen Touristen. Sie sind zurückgekehrt, auch wenn es keine großen Gruppen mehr von Japanern, Chinesen und Amerikanern sind. Frankreich will der Weltmeister im Tourismus bleiben. Am 4. November leitete Emmanuel Macron eine noch nie dagewesene Veranstaltung mit dem Titel "Destination France", die Investitionen in die Veranstaltungsbranche, das Kulturerbe usw. fördern soll. Rund sechzig Reiseveranstalter und Hoteliers nahmen daran teil. Aus Rücksicht auf die Umwelt werden Züge dem Flugzeug vorgezogen. Es steht viel auf dem Spiel. Der Tourismus macht mehr als 7,5 % des französischen BIP aus, und 2 Millionen direkte und indirekte Arbeitsplätze hängen von ihm ab.
Die andere erfolgreiche Maßnahme der Regierung, die es den Arbeitnehmern ermöglichte, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren, war die öffentliche Finanzierung der Arbeitslosen während der zweijährigen Pandemie, damit ihre Arbeitsplätze nicht verschwinden. Auf diese Weise konnten die Unternehmen sofort wieder anlaufen, was in Frankreich nie der Fall gewesen war. Emmanuel Macron hatte das Signal gegeben, indem er gleich zu Beginn der Pandemie versicherte, er werde sich für die Beschäftigung einsetzen, "koste es, was es wolle". Infolgedessen sind die Steuereinnahmen beträchtlich: 4,7 Milliarden in diesem Jahr, 5,2 Milliarden werden für das nächste Jahr erwartet. Damit ist es gelungen, den Anstieg der Energiepreise mit 3,8 Milliarden abzufedern und so vielleicht eine Wiederholung der "Gelbwesten"-Demonstrationen zu vermeiden.
Hervorragende Nachricht aus europäischer Sicht: Das Haushaltsdefizit wird in diesem Jahr nur um 8,1 % wachsen und im nächsten Jahr 5 % betragen (erwartet wurden 4,8 %). In Deutschland werden es in diesem Jahr nur 4,9 % und im nächsten Jahr 3 % sein. Die Deutschen sind auch insofern tugendhafter, als sie einen größeren Anteil der Industrie an ihrem BIP behalten haben: 26 % gegenüber 16 % in Frankreich. Seit den 1990er Jahren hat sich Frankreich von einer Produktionswirtschaft zu einer Konsum- und Freizeitwirtschaft entwickelt. Außerdem werden 44 % der deutschen Produkte exportiert, während es in Frankreich nur 28 % sind. Aber wird dies ein wesentlicher Vorteil bleiben, wenn sich chinesische und andere Märkte schließen und der Transport teurer und langsamer wird? Allerdings ist in den französischen Städten festzustellen, dass viele kleine Unternehmen und Restaurants oder Cafés ihre Tätigkeit eingestellt haben. Aber es sind neue Arbeitsplätze entstanden und die Telearbeit hat sich wie überall stark entwickelt.
In seiner Fernsehansprache gab der französische Präsident eine wichtige Erklärung ab, indem er ankündigte, dass er den Anteil der Kernenergie an der Energieerzeugung erhöhen werde, jedoch nicht ohne den Anteil der erneuerbaren Energien zu steigern.
Frankreich will damit ein Vorbild für den Klimaschutz werden. Es muss gesagt werden, dass das Atom in Frankreich viel mehr akzeptiert wird als in Deutschland. Die neuen EPR-Reaktoren scheinen sicher zu sein, und sie sind diejenigen, die sich vermehren werden, aber vorgesehen sind auch lokale Mini-Reaktoren zur Versorgung von Stadtvierteln oder Kleinstädten. Indessen steigt Deutschland ganz aus der Kernenergie aus. Dadurch kann Frankreich in Spitzenzeiten Strom an seinen großen Nachbarn verkaufen. ("C l'Europe-Rédaction. 10/11.2021)



Distanzierung von Amerika nach dem US-Fiasko in Afghanistan

Die europäischen Staats- und Regierungschefs sind durch das Desaster des überstürzten und unüberlegten amerikanischen Rückzugs aus Afghanistan mehr beunruhigt, als es den Anschein hat. Ein amerikanischer Freund schreibt uns aus Kalifornien, dass Biden dem Vorschlag seiner Militärs für einen schrittweisen Abzug und die Aufrechterhaltung einer Restpräsenz in Kabul zum Schutz der Freunde und Helfer der westlichen Freiheit nicht gefolgt sei.
Diese amerikanischen Blockaden lassen Onkel Sam mehr denn je als unsicheren Verbündeten erscheinen. Europa soll sich dringendst auf die Hinterbeine stellen, ohne das Bundnis mit Amerika zu brechen. Naturlich leiben wir in der Nato. Es Zeit De Gaulles, als die Amerikaner verteufelt wurden, ist längst vorbei und wir können ohne die Hilfe Amerikas weder den eroberer Putin nihct in Schach halten noch denislam!istsichen Terrroismus insbesondere in Afrika bekämpfen. Aber der Aufbau eines Europäischen Pfeiler in der Nato ist dringender denn je.

Die europäische Geldpolitik folgt nicht mehr der amerikanischen


Ist ein wichtiges Ereignis unbemerkt geblieben? Zwei widersprüchliche Schlagzeilen in der Pariser Presse hätten aufhorchen lassen müssen. Eine sagte am 27. August 2021, dass die US-Zentralbank, "die Fed, sich auf das Ende des leichten Geldes vorbereitet" und dass "die Märkte zittern" - natürlich aus Angst. Der andere sagte, dass die Europäische Zentralbank (EZB) "nicht vorhat, kurzfristig auf die Bremse zu treten".
Dies ist das erste Mal, dass die europäische und die US-amerikanische Geldpolitik auseinanderklaffen. In einigen Wochen wird die Fed damit beginnen, ihre Anleihekäufe zu reduzieren, mit denen sie Banken und Unternehmen jeden Monat Milliarden von Dollar zur Verfügung stellt. Dann wird sie ihre Leitzinsen anheben, die sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Europa auf einem historisch niedrigen Niveau gehalten werden. Es ist möglich, dass ein Wiederaufleben des Covid diese Rückkehr zur Tugend verhindern könnte, aber die Vereinigten Staaten haben die Welt offensichtlich mit zu vielen Dollars überschwemmt und können dies nicht weiter tun, ohne dass die Inflation in den Vereinigten Staaten weiter ansteigt (derzeit bei 4 bis 5 %) und ihre Währung abwertet. Das sind die Ideen von Fed-Chef Jerome Powel.
Im Gegenteil, ein solides zweites Quartal, eine stärker als erwartete Erholung der Aktivität und der Aufträge insbesondere in Frankreich und eine relative Kontrolle des Gegenangriffs der Delta-Variante durch die gute Entwicklung der Impfstoffe, beruhigen Europa. Die Inflation bleibt bei überschaubaren 1,5 % (allerdinds ist sie inzwischen auf 2 Prozent und mehr besonders wegen der ERhöhung des Gazpreises gestiegen) und es ist wahrscheinlich, dass das Wachstum einen Teil der Geldspritzen absorbieren wird. Die Inflation ist nach Ansicht von Experten eher ein amerikanisches als ein europäisches Problem. Zwar könnte sich ein durch den Arbeitskräftemangel und die Rohstoffknappheit bedingter sprunghafter Anstieg der Löhne, der die Verfügbarkeit von Produkten einschränkt, negativ auswirken. Die EZB ist jedoch der Ansicht, dass sie ihre Ankäufe von Vermögenswerten, die eine der wichtigsten Stützen für die Wirtschaft sind, nicht reduzieren muss. Dies wird sich später zeigen, wenn sich die Wirtschaft deutlich erholt hat.
Die Gouverneure der europäischen Banken sind der Meinung, dass es in Europa einen starken Konsens darüber gibt, dass nichts geändert werden sollte. In einem nach wie vor unsicheren Umfeld, in dem die Pandemie noch nicht vollständig überwunden ist und die Inflation mittelfristig niedrig bleibt, ist es dringend geboten, nichts zu ändern, abgesehen von ein paar Feinjustierungen.  (J.-P. P., 30/08/2021)

Wenn Freiheit selbstmörderisch wird

Es ist eine merkwürdige Auffassung der Freiheit, wenn man bedenkt, dass wir eingesperrt leben können, uns von staatlicher Hilfe ernähren - bis wann? -, das heißt, vom öffentlichen Betteln, während wir die Epidemie sich entwickeln lassen. Wie Pontius Pilatus haben die französischen "Anti-Vax"(Impfgegner) "Freiheit" geschrien und ihre Hände in Unschuld gewaschen, was die Krisensituation betrifft, die uns erwartet. Wie dem römischen Präfekten geht es ihnen nicht wie zu seiner Zeit um die wahre Gerechtigkeit - wie der Historiker Flavius Joseph feststellte -, sondern in erster Linie um ihr eigenes Schicksal, um einen illusorischen moralischen Trost, der bald an die Wand der Realität stößt und in der Tat für alle und in erster Linie für sie selbst unerträglich wird. Ich bin frei, sagen sie, lasst mich wählen... Besteht die Freiheit darin, den Wünschen aller zu entsprechen? Das wäre eine sehr kindliche Vorstellung... Kindern werden von klein auf die Grenzen des Zugangs zu all ihren Wünschen (von Freud beschriebene Mechanismen) und die Notwendigkeit, sich an Regeln zu halten, die für ein harmonisches individuelles und kollektives Leben unerlässlich sind, beigebracht.

Diese Skeptiker, getrieben vom Wind der Verschwörung, denken, sie seien im Einklang mit einer Zeit, in der Hedonismus, Individualismus und engstirniger Materialismus zu den universellen Werten geworden sind, die von den großen Medien in der Tat massiv vertreten werden. Gurus hatten noch nie so viele Anhänger und die Sprüche eines Teenagers haben mehr Gewicht als die Empfehlungen von Wissenschaftlern. Der alte, von unseren Lehrern wiederholte Grundsatz: "Die Freiheit des einen fängt dort an, wo die des anderen aufhört", ist aus dieser Moral verbannt worden. Sie ersetzen ihn durch "Ich mache, was ich will", einen veralteten Slogan, den sie von des studentischen Rebellion im Mai 68 geerbt haben.

Was die "Diktatur" betrifft, so ist dieses Wort, das am Abend der Präsidentenrede (Macrons Rede zugunsten der allgemeinen Impfung) die sozialen Netzwerke überflutete, ziemlich schockierend. Sie wurde am selben Tag ausgestrahlt, an dem kubanische Demonstranten brutal unterdrückt wurden, der venezolanische Oppositionelle Freddy Guevara inhaftiert wurde, Kim Il Song sein Volk in Nordkorea verhungern ließ, um seine Todesraketen zu finanzieren, und der gesamte chinesische Kontinent gezwungen war, seinen Folterknecht zu feiern: die Kommunistische Partei, angeführt von einer Handvoll Veteranen, die ein eisernes Gesetz zu ihrem ausschließlichen Vorteil durchsetzen. Die einzige Sorge der chinesischen KP ist in der Tat ihr eigenes Überleben, das Wohl des Volkes ist nur ein Deckmantel für diese Ambition.

Der aktuelle Arte-Dokumentarfilm

https://www.arte.tv/fr/videos/078193-000-F/le-monde-de-xi-jinping/ 

zeigt, wie die Realität in einer Diktatur aussieht, in der Gegner direkt in Umerziehungslager geschickt werden.

Leider ist die Liste der Diktaturen nicht erschöpfend; es gibt mehr von ihnen als Demokratien. Reicht es aus, denen, die sie auf diese Weise abwerten, zu sagen: "Verzeiht ihnen, sie wissen nicht, was sie sagen"? Wir genießen ein sehr breites System der Freiheit. Dies ist ein seltenes Privileg auf der Welt, dessen wir uns bewusst sein sollten. Wir haben viele Rechte, darunter auch das Recht, mit dem Wahlzettel zu sagen, dass wir nicht einverstanden sind, ein Recht, das wir zu sparsam nutzen. Diese Anti-Vaxer, die eine Diktatur heraufbeschwören, sollten ein Minimum an Anstand gegenüber die mutigen Menschen haben, die für ein Minimum an Freiheit kämpfen.

Dazu gehört die berüchtigte Verschwörungssphäre, die z.B. behauptet, dass wir von Außerirdischen regiert werden, die sich an einem geheimen Ort versammelt haben, oder dass der Virus selbst von einem kapitalistischen Konsortium aus dem Nichts geschaffen wurde, um sich zu bereichern. Diese Unsinnsvorstellungen sind weiter verbreitet, als uns bewusst ist. Es gibt auch einen älteren Trend, der in den letzten Jahren aufgrund der Publicity, die er erhalten hat, und der Gewinne, die er generiert, populär geworden ist, und der mit alternativen, angeblich asiatischen oder so genannten traditionellen Medikamenten verbunden ist. Diese wissenschaftsfeindliche, fortschrittsfeindliche Bewegung hat ihre Anhänger natürlich dazu gebracht, eine Impfung abzulehnen, die ihren Prinzipien widerspricht.

Wir sehen nun - mit Erstaunen -, dass diese Einstellungen, von denen man dachte, sie seien marginal, es nicht sind und nun einen beträchtlichen Teil der Gesellschaft erreichen. Demnächst wird es zwei Arten von Reaktionen auf die Herausforderung der Impfung geben: die erste von Pragmatikern, die sich der Problematik bewusst geworden sind und sich auf den Impfstoff stürzen werden, und die zweite, die in einer sektiererischen Verweigerung verhaftet sein wird, die von extremen politischen Gruppen unterstützt wird: die linksradikale France Insoumise und das rechtsradikale Rassemblement National, die sich wieder einmal Seite an Seite in einer unsozialen Haltung im Namen eines gemeinsamen Hasses auf "das System" befinden. Letztere, die in einem heftigen Ressentiment gegen Macron gefangen sind, werden nicht aufgeben. Wir müssen eine Art Revolte dieses harten Kerns der Anti-Vax befürchten, die umso heftiger ausfallen wird, als sie isoliert sein wird. Sie haben bereits ihr Emblem gewählt, den gelben Stern, eine Beleidigung für das Leiden der sechs Millionen Opfer der Shoah und ihrer Familien.

Rechte implizieren Pflichten. Haben wir das vergessen? Das Leben in der Gesellschaft setzt voraus, dass wir z. B. in der Arbeitswelt unsere Verantwortung wahrnehmen, gemeinsame Regeln respektieren und vor allem ein Mindestmaß an Solidarität gegenüber unseren Mitbürgern zeigen. Ohne diese gemeinsame Zustimmung gibt es keine Stadt im griechischen Sinne des Wortes. In diesem speziellen Fall, angesichts des Gesundheits-Tsunamis, der wahrscheinlich in naher Zukunft ausbrechen und Tausende von Leben und alle unsere Freiheiten zerstören wird. Wir können uns den Anweisungen derer, die für unsere Gesundheit verantwortlich sind, nicht entziehen. Wissenschaftler sagen uns, dass wir die Krankheit immer noch durch Massenimpfungen abwehren können. Da ist kein Platz für Sentimentalitäten. Vermeiden wir das Schlimmste (Pierre-Michel Vidal, "Alternatives Pyrénées", Gemeinütziger Verein. Pau.19/07/21 - Der Titel  ist  von "C l'Europe"

Hübsches Programm!

Im Moment, wo unsere Mitbürger zum Thema Diskriminierung befragt werden, versäumen es die Islamo-Linken aller Couleur sowie die Dekolonialisten nicht, Sie als hässliche Rassisten von Rechtsaussen zu beschimpfen, denen das Schicksal von Minderheiten gleichgültig ist, Sie behaupten ausserdem, unterdrückt zu werden, sobald man sich nicht vor ihnen beugt und seine angeblichen Verbrechen bereut.
Das ist der Trend heutzutage. Am Ende sieht alles aus wie in den Vereinigten Staaten, wo der Kommunitarismus in einem Ausmaß abdriftet, wie man es seit dem Elend im rassistischen Süden vergangener Zeiten nicht mehr erlebt hatte. Einige amérikanische Universitäten, und nicht die geringsten, haben beschlossen, getrennte Abschlussfeiern auf der Grundlage von Rasse, ethnischer Zugehörigkeit, sexueller Präferenz oder Lebensstandard zu inszenieren! Unsere Kollegen von der New York Times buchstabieren jetzt Black mit einem B und white mit einem w, um die Rassentrennung zu bekämpfen. Ein großer Unsinn, der dazu drängt, eine neue Form der Apartheid zu erfinden.
Martin Luther King, wach auf, sie sind verrückt geworden!
Hier sind andere Warnzeichen sichtbar, die nicht täuschen: die Studentengewerkschaft UNEF organisiert „nicht gemischte Diskussionsgruppen“, die für Weiße verboten sind, unter dem Vorwand, farbige Menschen besser zu Wort kommen zu lassen. Oder die Politikerin Audrey Pulvar schlägt vor, dass Weiße einfach den Mund halten und als stille Zuschauer teilnehmen sollen.
Die heutigen Antirassisten sind weit entfernt vom SOS-Rassismus der 1980er Jahre. Statt für die Aufklärung einzutreten, die unserer Republik teuer ist, betonen sie die Besonderheiten der jeweiligen Gemeinschaft. Die Welt steht auf dem Kopf, das Individuum wird wegen seiner Clan-Zugehörigkeit und nicht wegen seiner Eigenschaft als Mensch.
Diese dekolonialistsiche Bewegungen möchten uns eine politische und kulturelle Schuld aufbürden, eine Schuld, die auf die von unseren Vorfahren begangene Kolonisierung zurückgeht und für die wir ad vitam aeternam einen hohen Preis zahlen müssten. Nach diesem Prinzip wäre der Weiße ewig in der Schuld und der Schwarze oder Araber hätte immer einen guten Grund, den Rang des Opfers zu beanspruchen.
Wir sollten uns jedoch nicht scheuen, die Werte zu verteidigen, die unsere sind. Wir sollten vor den Aktivisten nicht zurückweichen, die in Grenoble einen Hochschullehrer einschüchtern, der den Mut hatte, den Geist der Kapitulation anzuprangern, der in unseren Fakultäten angesichts des Minderheitendrucks um sich greift.
Nein, Frankreich ist kein Land mit systemischem Rassismus, es gibt sicherlich Differenzierungen, aber nicht unbedingt auf der Basis ethnischer Konzepte. Die se Leute müssen aufhören, uns Schuldgefühle einzureden. Erinnern wir uns daran, dass Frankreich, die Heimat des Universalismus, eine unteilbare Gesellschaft ist, die darauf abzielt, alle im Dienste des Gemeinwohl zu assimilieren.
Unsere jüdisch-christliche Welt, dekadent in Nordamerika und verfallend in Europa, taumelt unter dem Einfluss dessen, was Samuel Huntington "Kampf der Kulturen" nannte. In einem aktuellen Lied zögert des islamistische Politprediger Tariq Ramadan nicht zu sagen: "Ihr habt die Wahl, wir haben keine Wahl/Entweder ihr teilt alles mit uns, oder wir bedienen uns selbst".
Damit ist alles gesagt: Es geht dort tatsächlich um die Islamisierung der Moderne und nicht um die Modernisierung des Islams. Das ist nicht dasselbe. "Mit euren demokratischen Gesetzen werden wir euch kolonisieren, mit unseren koranischen Gesetzen werden wir euch unterwerfen", vertraute Mohammad Abdelkarim Alissa, Generalsekretär der Islamischen Weltliga, an.
Ein hübsches Programm!
(Claude Donnadieu, Chefredakteur der französischen Regionalzeitung La Lozère Nouvelle - 15. April 2021)

Wie können die Staatschulden getilgt werden?

Wenn es um Geld geht, sind Zahlen entweder Ideale, die erreicht werden müssen, oder Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. Eine davon wurde am Ende des ersten Quartals 2021 überschritten, als die kumulierte Verschuldung der Eurozone 100,5 % ihres Bruttoinlandsprodukts erreichte. In Frankreich stieg es von 100,8 % im Vorjahr auf 118 % des nationalen BIP, in Deutschland auf 71,2 %, in Spanien auf 125,2 % und in Italien erreichte es einen Höchststand von 160 %. Noch schlimmer: In Griechenland waren es 209% des BIP. Die europäische Verschuldung wird auch im Jahr 2022 auf diesem Niveau bleiben, das in der Geschichte noch nie erreicht wurde. In der Eurozone ist dies ein allgemeines Phänomen.

Der Rückgang der Steuereinnahmen aufgrund der Rezession, die durch die Unterbrechungen der Arbeit und wirtschaftlichen Unterstützungsmaßnahmen, die insbesondere an Unternehmen und Arbeitnehmer verteilt wurden, verursacht wurde, ist der Grund für diese "noch nie dagewesene" Situation. In Frankreich, wo die Defizite zu Beginn des Jahres anschwellen, wird die Verschuldung auf ein weniger alarmierendes Niveau zurückkehren, aber die vom Präsidenten zu Beginn der Pandemie im März 2020 ausgegebene Parole "koste es, was es wolle" hat das öffentliche Defizit (Haushalt) um 9,2 % des BIP erhöht. Die Talsohle ist durchschritten und wird sich den Prognosen der Regierung zufolge im Jahr 2021 auf diesem Niveau "stabilisieren".
Die Bürger und Unternehmen wurden mit Geld überschüttet, um Depressionen und Konkurse so weit wie möglich zu vermeiden. „Die Regierung wird helfen", sagte Präsident Macron zu Beginn der Pandemie. Dafür wurde „ein Batzen Moneten“ ausgegeben, um ein anderes Wort des Präsidenten zu verwenden. Die Haushaltsregeln des Europäischen Stabilitätspakts, die die Mitgliedstaaten der Zone dazu verpflichteten, ihr öffentliches Defizit auf unter 3 % des BIP und ihre Gesamtverschuldung auf unter 60 % des BIP zu senken, wurden ignoriert. Und die Franzosen waren nicht die einzigen, die das taten.

Im März 2020 setzte die Europäische Kommission angesichts der Pandemie und der Notwendigkeit, die Volkswirtschaften zu unterstützen, den Stabilitätspakt bis Ende 2022 aus. Es wurde erlaubt, davon abzuweichen. Was aber, wenn die Delta-Variante oder andere Covid-Mutante die Aktivität weiter verringert? Wie kann man in der jetzigen Situation überhaupt wieder in die Spur kommen?
Dies würde die Mitgliedstaaten dazu zwingen, die Steuern zu erhöhen, wie sie es 2011 nach der Dollar- und Eurokrise getan haben, um die Kassen zu füllen. Infolgedessen hat die Rezession in vielen Bereichen weitere zehn Jahre gedauert. Investitionen und Innovation sind zurückgegangen.
Wir können uns einen solchen Fehler nicht mehr leisten. Um den Schaden zu begrenzen, empfehlen Wirtschaftswissenschaftler eine Überarbeitung des Pakts. Zum Beispiel, indem zukunftsorientierte Investitionen aus der Berechnung des öffentlichen Defizits ausgeschlossen werden. Oder durch die Einführung neuer Sparvorschriften für die öffentlichen Ausgaben. Es wird notwendig sein, Beamte zu entlassen, insbesondere in Frankreich, wo der Entbürokratisierungsprozess während der Pandemie unterbrochen wurde.
Auch bei den Budgets für die Außenpolitik könnten Einsparungen erzielt werden. Vielleicht, um dieses Geld auf die Sicherheit zu übertragen, die zu einem entscheidenden Problem in unseren Gesellschaften geworden ist? Im Zeitalter der verstärkten digitalen Kommunikation brauchen wir vielleicht nicht mehr so viele Diplomaten vor Ort im Ausland, denen wir zusätzliche Prämien und Umzugskosten zahlen müssen, aber wir brauchen mehr ausgebildete Polizeibeamte und Dienste, die Straftäter einsperren und/oder rehabilitieren.
Die Bekämpfung von Drogen, vom Tabak und mehr Geld für die Gesundheit, sowie die Unterdrückung abnormer Verhaltensweisen müssen zu den wichtigsten Prioritäten werden, und wir müssen aufhören, aus wahltaktischen Gründen Zuschüsse an sehr kleine Minderheiten zu vergeben, die amerikanische soziologische und intellektuelle Moden widerspiegeln, die dem Geist der europäischen Republik nicht entsprechen. Wir müssen uns auf die Stärkung Europas konzentrieren.
Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire setzt vor allem auf die Rückkehr des Wachstums, auf die Kontrolle der Staatskosten und auf Strukturreformen. Anstatt die rund 100 Milliarden an Ersparnissen fiskalisch zu tilgen, die die Franzosen während der aufeinanderfolgenden Lockdowns auf die hohe Kante gelegt ahben, wird verscuhte$= werden, sie zum Ausgeben und Investieren zu bewegen.

Aber hier haben wir es mit einem der klassischen europäischen Dilemmas zu tun. Die Aussicht auf eine Lockerung der Regeln gefällt den Hauptstädten Nordeuropas nicht, die befürchten, dass die südlichen Mitgliedsländer dies ausnutzen werden, um in ihren Sparbemühungen nachzulassen. Im Großen und Ganzen sind die Grünen und Sozialisten offen für eine Reform des Stabilitätspakts. Die konservative Rechte und die liberale Mitte sind weit weniger bereit, dies zu akzeptieren.
Das derzeitige große Glück der Industrieländer liegt in den sehr niedrigen Kreditzinsen. Die zehnjährigen Zinssätze in Frankreich liegen bei Null, während sie 2008, als die US-Subprime-Krise ausbrach, bei über 4 % lagen. Weltweit haben sie sich in BIP-Punkten im Zeitraum 1995-2020 halbiert. Sie liegen deutlich unter den Wachstums- und Inflationsraten. Sollten die Preise steigen, wäre ein Auswirkung auf die Zinssätze wahrscheinlich, aber es gibt allen Grund zu der Annahme, dass der leichte Anstieg der Inflation Anfang 2021 nach der Erholung vom toten Jahr 2020 nur vorübergehend war und dass auch die Löhne, ein möglicher Inflationstreiber, nicht steigen werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) tut ihr Bestes, um einen Anstieg der Zinssätze zu vermeiden.

Die andere Gefahr, die sich abzeichnet und den "sparsamen" Ländern Nordeuropas plus Österreich Sorgen bereitet, ist, dass diese Zinswende von oben nach unten negative Auswirkungen auf die Kreditaufnahme haben wird. Die Regierungen laufen Gefahr, wie Alkoholiker zu werden, die die Zirrhose, die ihre Leber zerstört, immer weniger spüren und deswegen immer mehr trinken, da Alkohol kostenlos ist. Die Versuchung, den Preis für Branntwein zu erhöhen, wäre dann für die Hersteller groß. Das beunruhigt auch die Hüter unseres Geldes.
Der Gouverneur der französischen Zentralbank, François Villeroy de Galhau, warnte: "Es wäre abenteuerlich, unsere Strategie für die öffentlichen Finanzen auf die ewige Beibehaltung der niedrigen Zinssätze zu gründen". Er forderte den Staatspräsidenten auf, das Wachstum der öffentlichen Ausgaben auf durchschnittlich 0,5 % pro Jahr zu begrenzen, gegenüber 1,1 % pro Jahr im letzten Jahrzehnt. Nach seinen Berechnungen würde dies die französische Staatsverschuldung in zehn Jahren auf 105 % des BIP senken. Dies wäre immer noch sehr weit von den im Pakt geforderten 60 % entfernt.
Es ist todsicher, dass die europäische Währung eines Tages unter den Auswirkungen der Covid-Krise leiden wird. Es sei denn... es sei denn, wir werten ab... aber das wäre schmerzhaft, brutal und zerstörerisch! Das Vertrauen in den Euro und in die Europäische Union würde schwinden. Oder die Banken werden, wie es bereits der Fall ist, mit Negativzinsen an den Vermögenswerten knabbern und die Schulden langsam abbauen. Das ist recht verlockend, denn die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen in den negativen Bereich verschoben, so dass, je mehr Schulden man hat, desto leichter wird deren Last. So sank der Schuldendienst Frankreichs bis Ende 2020 auf 35,8 Milliarden statt der vor einem Jahr, vor der Gesundheitskrise, erwarteten 38 Milliarden.

Der positive Effekt ist, dass die Schulden zwar hoch, aber erträglich sind. Da die Zentralbanken, weder die europäische noch die amerikanische, ihre Leitzinsen nicht anheben wollen, haben wir vier bis fünf Jahre, wahrscheinlich sogar zehn Jahre Zeit, um nach Lösungen mit einer einigermaßen stabilen Währung zu suchen. Einerseits ist dies ungefähr die Zeit, die die Wirtschaft braucht, um sich zu regenerieren, wenn die kollektive Gesundheit bis Ende 2021 mit dem Impfstoff wiederhergestellt ist, wie man hofft. Andererseits ist die Mehrheit der Ökonomen der Meinung, dass die seit Jahren niedrigen Zinsen auf den Finanzmärkten mittelfristig bestehen bleiben werden, so dass wir eine Zeit der Erholung zur Verfügung haben werden. Kann sich aber Europa wirklich noch zehn Jahre lang einen negativen Zinssatz verlassen?
Dies würde auch schwachen europäischen Ländern wie Portugal und Spanien helfen. Was Griechenland anbelangt, das ein Sonderfall sind, so muss Europa darüber achdenken. Auf jeden Fall ist dies nicht der Zeitpunkt, um andere Mitgliedsländer aufzunehmen. Es ist aber höchste Zeit, die Kandidaturgespräche mit der Türkei abzubrechen.

Noch ein Wort zu Italien, das sich unter dem wachsamen und kompetenten Blick von Mario Draghi erholt . Die Tatsache, dass seine Fußballmannschaft, die Squadra Azzurra, die englische Mannschaft im EM-Finale im Wembley-Stadion geschlagen hat, war für Boris Johnson eine ernste Lektion. Überraschenderweise brachte dieser Sieg der italienischen Wirtschaft 0,7 % mehr Wachstum. Der verlogenen Renaissance Großbritanniens, das durch den Brexit auf seiner Insel isoliert wird und dessen Einheit und Wohlstand bedroht sind, stellt Draghi, ehemaliger Chef der Europäischen Zentralbank und Retter des Euro in den Jahren 2011-2012, den Wiederaufbau Italiens dank des europäischen Konjunkturprogramms Next Generation EU. Italien wird der erste Nutznießer des europäischen Programms mit 221 Milliarden Euro sein, von denen die erste Tranche von 25 Milliarden in Kürze ausgezahlt wird. Der italienische Plan, an dem Draghi praktisch alle wichtigen politischen Kräfte beteiligt hat, ist Teil einer kohärenten Strategie, die sich auf vier Prioritäten konzentriert: den ökologischen Übergang, die digitale Revolution, die Verringerung von Armut und Ungleichheit sowie die Reform von Staat und Justiz. Er begann mit einer Impfkampagne für sein Land, das als erstes in Europa von der Pandemie betroffen war. Darüber hinaus verfügt Italien über Vermögenswerte, eine große Anzahl erfolgreicher Unternehmen in Schlüsselsektoren und vor allem eine positive Handelsbilanz von 63 Milliarden Euro im Jahr 2020. Draghi hat ausgezeichnete Beziehungen in Brüssel und Frankfurt und in Washington zu Joe Biden. Die Italiener wissen, dass er ihre große und letzte Chance auf Erfolg ist.  (Redaktion, 25.07.2021)

Frankreich vor der Regionalwahl im Juni 2021 und vor der Parlaments- und Präsidialwahlen im Mai-Juni 2022 : Macron oder Le Pen ?

Die Juni- Regionalwahlen sind inzwischen verstrichen. Die Alternative Macron-Le Pen ist vielleicht für die Präsidentschaftswahlen vom April 2022 nicht mehr so aktuell, wie sie im letzten April aussah.  Die Ultrarechten von Marine Le Pen haben deutlich an Boden verloren. Die neogaullistischen Republikaner (LR) haben ihre regionalen Festungen behalten und die Grünen (EELV) ihre neuen Erfolge bestätigt. Die Sozialisten (PS) sind anwesend geblieben, wenn auch als Minderheit. Dagegen hat die Macron-Partei (LREM) mit einem schwachen Ergebnis  bestätigt, dass sie in Provinzen und Gemeinden nicht ausreichend verankert ist. Im Moment wachsen die Kandidaten auf die Nachfolge von Macron wir Pilze im Wald. (Red. 28.07.21)

Ist Frankreich das Land der Staatsstreiche? Ist es nicht in der Lage, sich selbst zu reformieren? Der Mythos der großen Revolution von 1789-93, der der französischen Republik zugrunde liegt, hat etwas damit zu tun. Die Franzosen neigen dazu, einen Regimewechsel einem Regierungswechsel vorzuziehen. Aber sie haben etwas Angst vor den Folgen, zumindest diejenigen von ihnen, die etwas Geschichte gelernt haben, zumal die Große Revolution nicht mehr verherrlicht wird, wie das z. B. unter dem Staatsprâsidenten Mitterrand noch der Fall war. Letztendlich votieren die Franzosen, wenn es möglich ist, eher für „law and order“ statt für Umsturz und Umwälzung. Sie haben nicht so unmittelbar wie die Deutschen Diktaturen erlebt. Aber sie haben genug abschreckende Beispiele in ihrer Historie, um Vorsicht walten zu lassen,.
Erinnern sie sich z. B. an die Ablösung der Monarchie durch die Republik. Um eine Rückkehr der Könige zu verhindern, beschloss damals der revolutionäre Konvent den Tod des Königs Ludwig den 16..unter der Klinge der Guillotine und wenig später den Tod der Königin Marie-Antoinette auf die gleiche Weise, denn die Revolutionen steigern sich im Blutrausch, sobald das erste Blut geflossen ist. Sie kennen dann keine Grenzen mehr.
Es bedurfte ebenfalls eines regelrechten Staatsstreichs, um die Revolutionären zu beseitigen, und Robespierre und seine Clique landeten wiederum unter der Guillotine. Dann übernahm General Napoleon Bonaparte die Macht und errichtete eine legalistische Diktatur und eine Quasi-Monarchie. Und nach der Restauration der Monarchie übernahm Louis Napoleon Bonaparte, dessen Neffe, wieder die Macht, nachdem er Präsident der Republik gewesen war.
Um einen Putsch der Generäle zu verhindern, übernahm General De Gaulle 1958 die Macht, änderte die Regierungsform aber nicht das Regime. Dafür wenigstens musss man ihm danken. Er hat ein Präsidialsystem eingeführt aber die Feiheit nicht angetastet.
Emmanuel Macron versuchte, über die klassischen politischen Spaltungen von Links-Rechts-Mitte-Linksaußen-Rechtsaußen hinauszugehen, weil er das Gefühl hatte, dass diese Praxis nicht mehr funktionierte, vor allem, wenn es darum ging, die großen Probleme er heutigen Zeit zu lösen, die nicht mehr in diesen Rahmen passen, wie Klimawandel, Massenezuwanderung, Währungskrise, Globalisierung, zu der inzwischen auch noch die Pandemie hinzugekommen ist. Er veröffentlichte jedoch am 24. November 2016 zu Beginn seines Präsidentschaftsfeldzugs von 2017 ein Buch mit dem Titel "Revolution". Hätte er es "Reform" betitelt, wäre es nicht so erfolgreich gewesen. Er kündigte darin "eine große Transformation an, wie (sein Land) seit der Erfindung des Buchdrucks und der Renaissance sie nicht mehr gesehen hatte." Trotzdem profilierte er sich darin vorsichtshalber als Mann des "Dafür" und nicht als Mann des "Dagegen". Er wolle "für die notwendige Neugründung des Landes" über die politischen Spaltungen hinausgehen.
Was davon hat er geleistet? Sicher, er hat einige grundlegende Reformen durchgeführt. Einige bleiben oder blieben auf der Strecke.
Die klassische Opposition links und rechts oder was davon übrig geblieben ist versucht nachzuweisen, dass er nichts getan hat und dass die Reformen nicht „revolutionär“ sondern halbherzig und halbfertig geworden sind Aber es stimmt, dass sie unter Macron ein schweres Leben hatte. Sie versucht, im Hinblick auf die bevorstehenden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im Mai-Juni 2022 wieder Profil zu bekommen. Auf Seiten der Linken gibt es nur noch eine Kraft, die in der Lage ist, wie in Deutschland voranzukommen: die Umweltschützer. Bei den Kommunalwahlen im Juni 2020 eroberte die "grüne Welle", und zwar die Partei EELV, mehrere regionale Metropolen: Annecy, Besançon, Grenoble, Lyon, Poitiers, Straßburg, Tours und vor allem Bordeaux, das seit Jahrzehnten auf die klassische Rechte abonniert war. Die Wähler dieser acht Städte haben alle einen grünen Bürgermeister gewählt, nicht alle mit dem gleichen Programm, aber mit gemeinsamen Grundideen.
Die beiden Parteien, die mehr gelitten haben als Macrons vielseitige Partei LaREM (La République en Marche), waren die Sozialisten der PS (Sozialistische Partei) und die spätgaullistischen Republikaner (LR).
Der Fehler der Sozialisten (PS) war, auf die Migranten als Wahlvolk zu setzen. Angesichts der Bedrohung durch starke Einwanderungswellen und durch den Aufstieg des politischen Islams in Frankreichs großer arabischer Migrantengemeinschaft ist die PS nach einigen Erfolgen in der sozialistischen François-Hollande-Ära (2012-2017) ins Hintertreffen geraten. Auf der einen Seite ist ein großer Teil der Arbeiterschaft nach Rechtsaußen übergelaufen, auf der anderen Seite werden die sozialistischen Kader selbst beschuldigt, mit dem politischen Islam zu sympathisieren. Die Schimpfworte "Islamolinke" und "Islamo-Faschismus" fordern ihren Tribut und verurteilen die Sozialisten zum Scheitern. Die PS hat unwissentlich einen Pakt mit dem Teufel geschlossen.
Haben die spätgaullistischen Republikaner  (LR) überhaupt eine Chance, Macron zu besiegen? Im Moment seht es nicht so aus, dass die alte gaullistische Partei abbröckelt und sich vielleicht auflosen wird. Derjenige, der sich für ihren Anführer im Feldzug hielt, Xavier Bertrand, der Präsident der Region Nordfrankreich, war der erste, der sich als Anti-Macron-Kandidat aufstellte, um von seinen Genossen nicht eingeholt zu werden und sich an deren Spitze zu setzen. Aber wie Olaf Scholz in Deutschland, hat er sich wohl zu früh erklärt. Er spielt gegen Macron die die Sicherheitskarte aber nicht so glaubwürdig wie die ultra-rechte Partei RN (Rassemblement National ) von Marine Le Pen, die diese Fahne seit Jahren schwingt. Es liegt auch auf der Hand, dass dieser ruhige Mann, Versicherungsvertreter von Beruf, intellektuell das Wasser zu Macron nicht reichen kann.
Sarkozy hatte das intellektuelle Niveau, wurde aber 2012 von François Hollande geschlagen, weil der Zentrist François Bayrou, der ständige Aussteiger, ihn im letzten Moment mit dem Rückzug seiner Unterstützung zu Fall brachte. Er gibt in seiner gaullistischen Parte LR, keinen Kandidaten, den Sarkozy bisher unterstützt. Außerdem hat er selbst wegen nie endender finanzieller Angelegenheiten endlose Probleme mit der Gerichtchbarkeit.
Und dann war noch die Fillon-Affäre im Jahr 2017, als der ehemalige Premierminister von Nicolas Sarkozy als Kandidat der klassischen Rechten zurücktreten musste, nachdem entdeckt wurde, dass er seine Frau mit einem Gehalt als Parlamentsassistentin versorgt hatte, wofür sie kaum gearbeitet hatte. "Wir stecken im Dreck, resümiert ein Sarkozyst, Ich weiß nicht, wie wir da rauskommen, aber ich weiß, dass Bertrand nicht die Lösung ist".
Man hatte mit Michel Barnier (unser Artikel weiter unter "Europa") gerechnet, aber er lässt auf sich warten. Ein anerer Gaullist, Laurent Wauquiez, der nach dem Scheitern der gaullistischen Partei bei den Europawahlen von seinem Posten als LR-Präsident zurücktreten musste, scheint sich nicht entscheiden zu wollen. Vielleicht zieht Wauquiez es vor, Präsident der Region Rhône-Alpes zu bleiben. Er wartet auf das Ergebnis der Regionalwahlen im nächsten Juni. Es bleibt die Tatsache, dass Nicolas Sarkozy die Gallionsfigur der Spätgaullisten ist, aber dass er älter geworden ist, dass seine Frau vielleicht nicht wünscht, dass der politische Zirkus die Familie wieder kaputt macht, und dass er sich mit siegreichen aber zermürbenden Schlachten gegen die Gerichte aufreibt. Er schreibt Bücher Vielleicht zieht er es vor, weiter welche zu schreiben.
Sarkozy ist darüber hinaus nicht so eindeutig gegen Macron. Er bejaht u. a. dessen Engagement für Europa. Manche gaullistische Regionalchefs, der Bürgermmeister von Nizza, Estrosi und sein Parteifreund Muselier, Président der Region Südostfrankreich, stehen zu Macron. Tatsache bleibt, dass Emmanuel Macron in den Umfragen im Moment überraschend stabil in Führung bleibt. Die ultrarechte Marine Le Pen bekommt in den Prognosen für die erste Runde der zukünftigen Präsidentschaftswahlen oft etwas bessere Ergebnisse, aber trotz eines etwaigen Bröckelns seiner Mehrheit von 2017 wäre Macron deutlich vor ihr in der entscheidenden zweiten Runde. Für den Moment können wir auf die Wiederwahl von Emmanuel Macron als Präsident im Jahr 2022 setzen. Hinzu kommt, dass er trotz des Rücktritts seines ehemaligen Premierministers Édouard Philippe weiterhin gut und sicher umgeben ist: Von seinem brillanten Sekundanten, dem Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire; von seinem derzeitigen volkstümlichen Premierminister Jean Castex; von dem ausgezeichneten Gesundheitsminister, dem Mediziner Olivier Véran; von dem sehr soliden Innenminister Gerald Darmanin bekommet er reiche Hilfe und er hatmit Gabriel Attal einen  ausgezeichneten Presse sprecher. Er hat den prestigeträchtigen aber total einflusslosen Posten des Plankommissars an François Bayrou vergeben, damit dieser ihm keinen Dolchstoß in den Rücken versetzt. Inzwischen haben sich die Gelbwesten und andere die Volksaufständische und Chaoten etwas beruhigt. Es bleibt nur noch das Problem des blutigen islamistischen Terrors. Gefährdungen der öffentliche Sicherheit könnten Macron destabilisieren, aber sie können ihn auch stärken, da die Wähler sich an die amtierende Regierung klammern, wenn Gefahr im Verzuge ist. Das ist wohl das wahrscheinlichste. (Jean-Paul Picaper, 27.04.2021)


Die angebliche, medizinische Versklavung des deutschen Volkes

Eine Zentralregel der Propaganda besteht darin, die Lügen so aufzubauschen, dass sie zu Wahrheiten werden. Kleine Lügen sind kaum glaubwürdig, große Lügen sind es, weil keiner in diesem Ausmaß lügen würde, bildet man sich ein. Dass es sich bei den Organisatoren der „Coronalüge“ um Manipulatoren handelt, war schon bei ihrer ersten Großdemo daran ersichtlich, dass den Angaben der Veranstalter zufolge 800.000 bis 1,3 Millionen Menschen mitmachten. Tatsächlich kamen laut Polizei nach sicheren Zähltechniken nur 17.000 bis 20.000 zusammen. Es kann uns nicht beruhigen, dass diese Aussteiger nur eine kleine Minderheit sind. Mao Zedong hatte seinen Kampf gegen die chinesische Republik mit nur 6 Mitgliedern angefangen und Hitlers Partei bestand aus einem Grüppchen von Randalierern, bevor die Weltwirtschaftskrise ausbrach.

Corona-Leugner, Impfgegner, Klimawandelleugner, Komplotisten, kurz die Ewignegationisten, verabreden sich in regelmäßigen Abständen in der deutschen Hauptstadt, um die Ursache der Pandemie nicht im Covid-Virus selbst sondern in der Virusbekämpfung als Ursache allen Übels anzuprangern. So eigenartig und skurril diese Behauptung auch sein mag, so ist für diese Menschen das Virus eine Regierungserfindung, eine „Corona-Lüge“, um das Volk mit medizinischer Verordnung zu unterjochen und die Menschenrechte ausser Kraft zu setzen.

Das behaupten ihre Strippenzieher aber natürlich geht es ihnen darum, die Gewählten der Bundesrepublik Deutschland zu diskreditieren und ihre Autorität zu untergraben. Politisch gutgläubige Gutmenschen und historisch unerfahrene junge Menschen laufen diesen Scharlatanen hinterher in dem Glauben, dass sie für eine bessere Welt demonstrieren und sich einsetzen. In der Menge marschieren aber immer wieder Teilnehmer mit eindeutig rechtsgerichteten Fahnen oder T-Shirts, und ebenfalls Mystagogen und Sektierer, die sich seit den ersten Tagen der Virusbekämpfung als Freiheitskämpfer und „Endederpandemieapostel“ produzieren.

Höhepunkte dieser totalitären Farce fanden u. a. mit Großdemos in der Berliner Stadtmitte am Sonntag 2. Juli und am Samstag 7. November 2020 und einige Male zwischen durch noch in Berlin und andernorts statt. Am 31. August 2020 wurde von einer Handvoll rabiater Demonstranten ein Angriff auf das Reichstagsgebäude inszeniert, der von einigen mutigen Polizisten mutig abgewehrt wurde, von denen die „Bild“-Zeitung schrieb, dass sie „Helden“ waren. Das waren sie in der Tat. Sie haben sich für die Republik in Gefahr begeben. Nichts hätte besser als dieser Angriff auf die Bundestagshochburg nachweisen können, dass die Randalierer der Demokratie den Garaus machen wollen.

Nach der wechselvollen Geschichte des Reichstags, der vom deutschen Kaiser verachtet, von Josef Goebbels als „Klatschbude“ bezeichnet und dann höchstwahrscheinlich von den Nazis in Brand gesteckt wurde, und der während der deutschen Teilung als Sinnbild der Demokratie nur einige Schritte von der Ulbricht-Mauer entfernt dastand, ging dieser Anschlag der Rechtsextreme aus einer Weltanschauung hervor, die die legitime, frei gewählte Vertretung des deutschen Volkes beseitigen will. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach von einem "unerträglichen Angriff auf das Herz unserer Demokratie", Regierungssprecher Steffen Seibert kritisierte "schändliche Bilder, die so nicht hinzunehmen waren". Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sah "Grenzen des Anstands" verletzt.

Diese Leute versuchen mit dem Kampf gegen die Pandemiebekämpfung als Vorwand, aus Deutschland ein Irrenhaus zu machen, wo Fiktionen und Phantasmen die Wirklichkeit ersetzen Und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in Italien, in Spanien und anderen EU-Staaten, wo auch Revolten stattfinden Aber in Deutschland muss man wegen der Vergangenheit vor 1945 und vor 1989 besonders aufmerksam sein. Die Maßnahmen und Zwänge gegen Nachlässigkeit und Leichtsinn, die der Kampf der Regierung gegen den Virustod erfordert, schaffen für die Dauerprotestler und Hobbyquerulanten eine willkommene Gelegenheit, die beste und effizienteste Regierungsform, die Deutschland in seiner Geschichte je hatte, und zwar die bundesrepublikanische Demokratie, als Diktatur darzustellen. Nicht anders tat es jahrzehnte lang die sowjetische Desinformation im Kalten Krieg, indem sie Fakten und Tatsachen im freien Westen in ihren Darstellungen in ihr Gegenteil umkehrte.

Spätzöglinge der marxistischen Agitprop sind jetzt an den Schaltstellen und sowieso, wie Brecht sagen würde, „der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“. Mit der Verleumdung des Euros und mit der Verleugnung der Klimakrise hatten sie es schon versucht, aber die europäische Währung hat sich behauptet und die Klimastörung ist spürbar geworden. Als Ersatz zur Irreführung der Menschen kam ihnen die Corona-Pandemie gerade recht. Menschen blind für Tatsachen zu machen und Tatsachen zu leugnen, gehörte immer zum Wesen des Marxismus-Leninismus. Aber die radikale Rechte, praktisch alle totalitären Bewegungen tun es auch. Der Lockdown und die dadurch bewirkte Wirtschaftsflaute machen die Bevölkerung labil und anfällig für absurde Parolen und destruktive Verhaltensweisen. Ein fruchtbarer Boden für die Propaganda.

Der bekannte Beeinflussungsprozess, der darin besteht, aus vernünftigen Menschen Politfantasten zu machen, funktioniert nach wie vor in Zeiten der Destabilisierung durch
Seuchen, Hungernot, Krieg und Naturkatastrophen. Da sucht man händeringend nach Sündenböcken, nach Deutungen und Fabeln, nach Verschwörungen und Machenschaften und nach Hintermännern. Es mangelt schon etwas an Zielscheiben. Selbst der Kapitalist mit dickem Bauch und dicker Zigarre steht nicht mehr zur Verfügung, weil es ihn in dieser Form nicht mehr gibt. Es bleibt die Hauptfigur der Regierung, die Merkel. Der Feldzug gegen die demokratisch gewählte deutsche Regierung ist umso aggressiver als der seit 2015 etwas angekratzte Nimbus der Kanzlerin Merkel seit Jahresbeginn 2020 im Kampf gegen die Pandemie, den sie sehr gut führt, Profil und Glanz wieder erlangte.

Die verwöhnten Staatsbürger Europas, die besonders in Deutschland und Frankreich immer mehr an geschenktem Wohlstand für immer weniger Arbeit verlangten, neigen dazu, bei geringen Einschränkungen ihres Luxuslebens zu rebellieren. Verleiht man diesen ahnungslosen „Querdenkern“ das Gefühl, dass sie eben „denken“ und klüger als Ottonormalstaatsbürger sind, weil sie sich einbilden, die angeblichen Lügen der Medien und der Politik durchschauen, da sind sie bereit, die Säulen der Demokratie abzusägen und frohlockend Rattenfängern zu folgen, die diesmal nicht von Hameln sind. (JPP,  S. v. Str. Nov. 2020)

Tja, die schöne alte Zeit

Es war einmal eine Zeit, als man sagte, dass alles früher besser und schöner gewesen war. Mag sein, dass es in den 50er bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts trotz des „Kalten Krieges“ und der atomaren Bedrohung, der Schließung der Grenzen zwischen Ost und West so gewesen war, als das sog. „Wirtschaftswunder“ stattfand und das Arbeitsangebot üppig war, indem Kaufkraft und Lebensstandard wuchsen. Aber es geht uns heute in Deutschland so gut wie nie zuvor und unser Land hatte in seiner ganzen Geschichte noch nie ein so freies und effektiv arbeitendes politisches System wie heute, das in der Bekämpfung eines völlig neuen, unerwarteten und unberechenbaren Unglücks sein Bestes tut.  In dem folgenden Rückblick denkt der Chefredakteur von „t-online.de“, Florian Harms, an die bereits fernen Jahre vor 1949.

Meine Großeltern sind schon lange tot, aber ich erinnere mich an viele ihrer Worte. Meine Großmutter erzählte mir, wie schwierig es war, in der Nachkriegszeit fünf Kinder aufzuziehen, sie arbeitete hart, versagte sich vieles; als ihr Mann starb, musste sie alles allein machen. Sie nahm es auf sich und blieb trotz der Mühen und Entbehrungen eine liebenswerte und humorvolle Frau. Meine andere Omi hinterließ viele Briefe, die mein Onkel und meine Tante gesichtet und abgetippt haben. Dort lese ich von den Ängsten im Krieg, von Unsicherheit und Enttäuschung, von Schmerz und Verlust – und trotzdem schimmert zwischen den Zeilen immer wieder ein unbändiger Lebenswille durch, flackert Hoffnung auf eine bessere Zukunft auf. Später habe ich meine Omi als lebenslustige und großherzige Frau kennen gelernt.

Ich denke gerne an meine Vorfahren. Ich male mir die Szenen aus, die sie mir von den Schlachtfeldern in Russland, der Todesangst auf einem sinkenden Lazarettschiff im Mittelmeer und den Ruinen im zerstörten Deutschland geschildert haben. Was haben diese Menschen erlitten, was haben sie durchgestanden – und haben dabei trotzdem ihren Lebensmut, ihre Empathie und ihren Elan nicht verloren. Eine enorme Leistung. Sie packten an, statt zu wehklagen. Sie steckten den Kopf nicht in den Sand, sondern blieben zuversichtlich: Es muss ja weitergehen, wir stehen das durch, irgendwann wird es besser!

Wenn ich in diesen Corona-Herbsttagen manche Zeitgenossen höre, die sich in Selbstmitleid ergehen, weil sie nun lästige Regeln einhalten und ihren Alltag einschränken müssen, wenn ich andere höre, die sich verängstigt im Nachrichtenhagel verkriechen und tagtäglich das schlimmste Szenario beschwören, dann denke ich: Denen täte es gut, mal nicht nur auf sich selbst, sondern kurz zurückzuschauen. Sich an die Vorfahren zu erinnern, die ungleich größere Krisen durchzustehen hatten als wir heute. Und die trotzdem mutig und energiegeladen blieben. So haben sie unser Land wiederaufgebaut, unseren Wohlstand erwirtschaftet, uns die Freiheiten ermöglicht, die wir heute so selbstverständlich genießen. Ich finde, einigen Leuten täte es in diesen Tagen gut, weniger zu nörgeln, weniger zu bangen und mehr Zuversicht zu zeigen. Wir werden diese Pandemie durchstehen, und danach geht es wieder aufwärts in unserem schönen Land! (Florian Harms, t-online.de, Freitag, 23. Oktober 2020)