Geschehen


1. Das Inferno ist schon da 
2. Warnschuss: Nach den Regionalwahlen in Frankreich
3. Jetzt oder nie: Die grosse Umwälzung
4.  Nachruf: Olivier Dassault Ingenieur, Künstler und Politiker

Das Inferno ist schon da
Die Luft schmeckt wie Pudding. Jeder Atemzug kostet Anstrengung. Die Haut fühlt sich an, als würde sie geröstet. Jeder Schritt ist mühsam, das Denken wird zu einem zähen Brei, der zu einem einzigen sehnsüchtigen Gedanken gerinnt: trinken! Wer dann keine Wasserflasche zur Hand hat und keinen Schatten findet, empfindet Verzweiflung, die sich binnen Minuten zur Panik steigern kann: Ich muss hier weg!
So fühlt es sich an, wenn man mehr als 50 Grad Celsius ausgesetzt ist. Die Hitze traf mich wie ein Faustschlag ins Gesicht, als ich vor 16 Jahren durch die libysche Wüste fuhr. Bei geöffneten Autofenstern und Fahrtwind war sie erträglich, aber als der Jeep dann stehen blieb, als ich ausstieg und in die gleißende Sonne trat, da erlebte ich am eigenen Leib, welche brutale Wirkung die Sonne entfalten kann, wenn sie einen Landstrich aufheizt. Selbst wenn mal ein paar Regentropfen fallen, verdunsten sie augenblicklich, der benetzte Boden bricht wie eine Kruste auf, jedes Pflänzlein verdorrt.
Was ich vor 16 Jahren in der Sahara erfuhr, könnten wir bald auch in Europa erleben. Die Erderhitzung beschert uns immer öfter Extremwetter, die Durchschnittstemperaturen klettern höher und höher, und wir tun viel zu wenig dagegen. Die Menschen in den Mittelmeerländern bekommen in diesen Tagen einen Vorgeschmack von dem Inferno, das nicht nur Afrikanern, Amerikanern und Australiern, sondern auch uns Europäern bald regelmäßig droht. In Griechenland werden 47 Grad Celsius gemessen, ganze Landstriche verdorren. Schon der Funke einer Zigarette genügt, um eine Flammenhölle zu entfachen. In den Vororten von Athen wüten Wald- und Buschbrände, beißender Qualm durchzieht die Stadt, Ascheflocken wirbeln durch die Luft. Auch auf dem Peloponnes und auf Urlaubsinseln wie Rhodos und Kos brennt es lichterloh, Hunderte Häuser sind in Flammen aufgegangen. "Es ist ein Alptraumbrand", sagt Regierungschef Kyriakos Mitsotakis.
In der Türkei ist die Lage ebenfalls außer Kontrolle geraten. An der Westküste lodern zahlreiche Brände, einige bedrohen Touristenhotels, ein anderer erfasst ein Kohlekraftwerk. "Die Situation ist sehr ernst", warnt der Bürgermeister der Stadt Milas nahe der Ägäis. In Italien hat die Region Molise wegen der Buschfeuer den Notstand beantragt. In Sizilien kämpfen Feuerwehrleute Tag und Nacht gegen die Flammen. Gestern hat die EU-Kommission Flugzeuge, Hubschrauber und Brandexperten nach Griechenland, Italien, Albanien und Nordmazedonien geschickt. Europa kämpft gegen das Inferno.
Wir müssen unser Verhalten schnellstens ändern, um das Schlimmste zu verhindern: Das ist der glasklare Appell, den mehr als 14.000 Wissenschaftler soeben veröffentlich haben. Was zu tun ist, ist seit langem bekannt. Klimaschutz als höchste Priorität im Regierungshandeln und auf jedem internationalen Gipfeltreffen. Schnell raus aus der Kohleverbrennung. Windräder und Solaranlagen bauen, auch gegen Widerstände. Wärmedämmung und moderne Heizungen für alle Gebäude. Busse, Bahnen und Fahrradwege statt Blechlawinen in den Städten. Die biologische Landwirtschaft viel stärker fördern. Die absurde EU-Politik stoppen, die den Bau von Kohlekraftwerken in Südafrika und die Abholzung des Regenwalds in Südamerika fördert. Und der Planet heizt sich immer weiter auf. "Im Prinzip müssen wir uns jedes Jahr auf neue Temperaturrekorde einstellen", sagt der Klimaforscher Thomas Jung vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung im Gespräch mit dem Nachrichtenportal Watson. "Wenn man das einmal losgetreten hat, muss man lernen, damit zu leben."
Das CO2 aus der Atmosphäre herauszubekommen oder die Wärme aus dem Ozean, funktioniere nicht so schnell. "Wenn man den Ausstoß der Treibhausgase heute auf null runterfahren würde, würde dieser Prozess trotzdem weitergehen", erklärt der Experte. "Der bisherige Klimawandel führt dazu, dass Extremwetterereignisse bis zu vier Grad Celsius heißer ausfallen als in präindustriellen Zeiten." Und das sei erst der Anfang der Erwärmung: "Wenn man in die Zukunft schaut, kann man gern noch einmal sieben, acht oder neun Grad auf die jetzigen Temperaturen draufpacken. Da kommt man dann in Bereiche, wo man an die 50 Grad erreicht." Schon in den nächsten 30 Jahren werden wir in einer anderen Welt leben als heute: "Wenn es so heiß und auch feucht wird, dass Schwitzen uns nicht mehr kühlt, ist das auch für den fittesten Menschen nicht lebbar."
icht lebbar": Welch eine Formulierung. Sie klingt wie aus einem Backofen. Trotzdem machen fast alle Regierungen rund um den Globus immer noch zu kleine Schritte beim Klimaschutz, lassen sich viele Menschen nicht von ihrem gewohnten Konsumtrott abbringen: Morgens mit dem SUV ins Büro, Billigklamotten aus Asien shoppen, täglich Fleisch auf dem Teller, Fernreisen mit dem Flieger. Kaum sind die Länder Europas aus dem Corona-Lockdown herausgekommen, schießen die CO2-Emissionen wieder in die Höhe. Verhindern lässt sich der Temperaturanstieg nicht mehr, aber es macht einen gewaltigen Unterschied, ob er anderthalb, zwei oder noch mehr Grad im weltweiten Durchschnitt beträgt. Es ist der Unterschied zwischen einem Backofen und der Hölle. Nicht jedes Buschfeuer ist eine unmittelbare Folge der Klimakrise, aber die Erderhitzung steigert das Risiko unkontrollierbarer Brände – keinesfalls nur in fernen Ländern, sondern auch hierzulande. Experten des Umweltbundesamts sagen für die kommenden Jahrzehnte ein steigendes Waldbrandrisiko in Deutschland voraus. Die Gründe liegen im Wesentlichen in erhöhten Temperaturen und Trockenheit.
Berechnungen des Weltklimarats zufolge werden Hitzewellen, Dürren und Starkregen massiv zunehmen. Nicht nur auf ohnehin gebeutelte Länder wie Griechenland kommen dann Kosten von Hunderten Milliarden Euro zu. Es scheint nicht mehr undenkbar, dass ganze Staaten durch die Extremwetterschäden in die Pleite schlittern. Zerstörte Stadtviertel, die nicht mehr aufgebaut werden können, verlassene Felder, Zonen ohne staatliche Kontrolle: Was wir derzeit nur aus gescheiterten Staaten wie dem Südsudan oder dem Libanon kennen, ist künftig auch in Europa vorstellbar. All das und vieles mehr ist nötig. Es kostet Unsummen und verlangt jedem Einzelnen enorme Umgewöhnung ab. Doch die gute Nachricht ist: Wir können es schaffen, noch haben wir es in der Hand. Das darf man die Parteien im Bundestagswahlkampf gern wissen lassen. 50 Grad Hitze sollten wir uns nicht antun. (Florian Harms.t-online.de. 5.06.2022)

Nach den Regionalwahlen in Frankreich vom Ende Juni 2021, die von einer historisch hohen Wahlenthaltung geprägt wurden, veröffentlichte der Chefredakteur der Regionalzeitung "La Lozère Nouvelle", Claude Donnadieu, diesen Leitartikel:

Ein Warnschuss

Wir müssen auf das ohrenbetäubende Schweigen von zwei Drittel n der Wähler hören, die bei den beiden Runden der Departements- und Regionalwahlen zi den Wahllokalen nicht gegangen sind.
Es macht keinen Sinn, die Ergebnisse unablässig zu kommentieren.
Die meisten Leitartikler sprechen von der Rückkehr der Rechten, vom Zerfall der Linken, vom Niedergang der ultrarechten RN oder der Labilität der Grünen. Das alles ist Cocolores. Es sind ie Bäume, hinter denen sich der Wald verbirgt. Genau wie diejenigen, die Ihnen erzählen, dass wir nicht zur Wahl gegangen sind, weil es an einem Sonntag zu sonnig war und am nächsten regnen sollte, oder dass wir Angst hatten, uns den Covid einzufangen, dass wir die beiden Wahlen, Departement oder Region, nicht voneinander unterscheiden konnten oder dass das Wahlmaterial nicht richtig verteilt wurde. Kurzum, wir werden mit Kinterlitzien beschäftigt, um das eigentliche Problem zu verbergen: Eine historisch hohe Wahlenthaltung, die mit dem Ärger und dem Desinteresse der Staatsbürger erklärt werden kann.
Die gedämpfte Wut der Franzosen, deren Sorgen tausend Meilen von denen der Politiker entfernt sind, deren einziges wirkliches Ziel es ist, ein Stück Macht zu erlangen und zu behalten. Oder soll man die Wahl erneuern, wie man es 2008 getan hatte, als man wieder abstimmen liess, um das "Nein" zur Volsabstimmung von 2005 zum europäischen Vertrag zu korrigieren?
Es ist auch das Zeichen einer wachsenden Kluft zwischen dem realen Frankreich und seinen Vertretern, Berufspolitikern aller Couleur, die keinen Bezug zum realen Leben haben. Diese Ernüchterung ist das Zeichen einer Republik in schlechter Verfassung, die diese Form der Trägheit nährt.
Desinteresse: Das Phänomen ist sicher nicht neu, aber Abstinenzler kommen heute aus allen Schichten, aus der Arbeiterklasse oder aus höheren Schichten, mit oder ohne Hochschulabschluss, vom Land oder aus der Stadt. Ganze Kategorien der Bevölkerung sind nicht vertreten. Wie viele Abgeordnete und Senatoren sind Bauern, Fischer, Arbeiter, Angestellte?
Das Ergebnis ist, wie unser Kollege Romain Rambaud analysiert, "ein degradiertes, in sich gekehrtes Bild des repräsentativen Systems, das die Wahl als ein Verfahren zur Erneuerung der Führung begreift und nicht mehr versucht, die Bürger einzubeziehen."
Das ist die Lehre aus dieser Episode, die das Problem der demokratischen Legitimation neu gewählter Amtsträger aufwirft und die dauerhafte Entwicklung einer protestierenden Wählerschaft offenbart.
Marc Lambret, Seelsorger der Parlamentarier, betonte "die Parallele zwischen der Umweltkrise und der Krise der Demokratie, wie sie Papst Franziskus verbindet. In beiden Fällen steuern wir auf eine Katastrophe zu, mit einer fortschreitenden Betäubung, einer Verharmlosung des Schlimmsten".
Wir sind sehr weit von einem Strukturierungsprojekt für die Gesellschaft entfernt, und die nächsten Fristen sehen besorgniserregend aus. Der zweite Rücktritt des Generalstabschefs der Streitkräfte innerhalb von vier Jahren mit der halb scherzhaften Begründung, er wolle in der kommenden Zeit nicht kommandieren, so angespannt sei der Kontext, verheißt nichts Gutes. Wollen wir hoffen, dass dieser Warnschuss gehört wird. (Claude Donnadieu. in: La Lozère Nouvelle, 1/07/2021)

Jetzt oder nie:  Die grosse Umwälzung

Der epochale Scheinkrieg, aus dem wir kaum hervorgegangen sind, hat viele Dinge um uns herum beschädigt. Völlig ratlos haben Europa und seine Regierungen ihn ertragen müssen. Er kam ohne Erklärung, ohne Gewehre oder Bomben, ohne Schlachtfelder, ohne Einmarsch fremder Truppen und ohne Besatzung, ein Krieg, der kein Krieg war, aber Geschichte wird . Unsere Sprachen haben bisher kein Wort dafür. Seine Waffe ist billiger als Atomraketen und radikaler als der Terrorismus. Er hat uns in eine ständige Alarmbereitschaft gegen scheinbar nichts versetzt. Ein bakteriologischer Krieg, welcher noch lange schwelen wird.

Einen Waffenstillstand wird es nicht geben. Kaum hatten wir nach dem ersten Lockdown den Frühling, die Farben der Blumen, den Gesang der Vögel, das Blaue vom Himmel und die Bewegungfreiheit, da kam nach dieser Pause die zweite Welle der Pandemie, schlimmer als die erste, heisst es. Ausser in Frankreich wo die Regierung sich das nicht getraut hat, wurden mehrere Staaten der Weihnachtsfesttage beraubt. Viele Geschäfte, die Restaurants, die Bars sind geschlossen. In Deutschland herrscht ein Lockdown total, und man kann nicht leugnen, dass jetzt eine gewisse Schwermut sich in Europa verbreitet. Die Stimmung ist gedrückt. Das Schlimmste ist vielleicht, dass die Menschen einander wie besessen meiden, gegenüber ihren Artgenossen misstrauisch werden. Von Mitmenschlichkeit kann gar nicht mehr die Rede sein. Jeder ist jedem eine Gefahr. Und was, wenn Virusmutationen die Impfung wirkugnslost machen? Und was, wenn ein Virus kommt, das nicht die Lungen, sondern die Hirne angreift?

An Horrordrehbüchern ist kein Mangel! Könnte der amerikanische Film "Ich bin eine Legende", wo Menschen zu Raubtieren werden, die danach trachten zu beissen um zu töten, zur Realität werden ? Wir erleben schon jede Menge zur Wirklichkeit gewordene Science Fiction. Es könnte mehr werden.

Dieser stille Krieg hinterlässt wirtschaftliche Ruinen, Tote, die zu betrauern und Kranke, die zu versorgen sind. Hinterlistiger und weitaus globaler als die beiden Weltkriege zwang er jedoch zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte alle Länder gleichermaßen, gegen einen gemeinsamen Feind zu kämpfen. Dieser bösartige und unsichtbare Gegner ist kein Außerirdischer, sondern die älteste Lebensform des Planeten: ein Virus. Indem er ausschließlich dem Menschen Schaden zufügt, nutzt er unsere Körper als Wirte und Waffen. Um den Todeserreger zurückzudrängen setzte man Militär und Medizin ein. Die Medizin hat sich heldenhaft verdient gemacht. 1914-18 und 1939-45 begleitete sie die Armeen. 2020 wurde sie umgekehrt von der Armee unterstützt. Sie stand an vorderster Front, Frauen und Männer gleichberechtigt als Soldaten gegen das Virus, aber auch in der Lebensmittelversorgung, der Landwirtschaft, das Transportwesen und vielen anderen lebenswichtigen Bereichen.

Wir haben überlebt. Vorläufig oder dauerhaft? Einige werden in diesem Unglück eine göttliche Warnung für unsere Exzesse und Auswüchse sehen. Andere eine Episode im Kampf um das Recht auf Leben auf diesem schönen und unberechenbaren Planeten, den wir zu sehr geplündert haben. Wir sehen jedoch das Positive. Wir haben das Lebenswichtige und Wesentliche wiederentdeckt. Ein neuer Geist der Solidarität ist entstanden. In der kurzfristigen Improvisation waren Wissenschaftler und Regierende in den Demokratien ihrer Aufgabe gewachsen, wo die Exekutive gestärkt wurde. Ohne Vorbereitung auf solche Ereignisse hat Europa improvisiert, Einheit im Kleinformat über geschlossene Grenzen hinweg neu geknüpft. Es hat gesehen, dass menschliches Leben Vorrang vor Wirtschaft und Finanzwesen hat, es hat die Vorteile der Langsamkeit und diejenigen der Antizipation neu gelernt.

Der Corona-Schock birgt die Chance auf eine bessere Welt. Europafeinde und Demagogen haben Boden verloren. 2020 wird zum Gründungsjahr eines neuen zusammenhängenden europäischen Kontinents. Europa braucht ein Frühwarnsystem gegen Ausbrüche des Unerwarteten. Wir müssen unabhängiger, selbstständiger und souveräner, selbstversorgender werden, die benötigte Industrie, Nahrungsmittel und medizinische Versorgung müssen also bei uns neu angelegt sein und Nähe neu erfinden. Wir sollen soziale Ungleichheiten einebnen, ohne dabei essentielle Begabungen und Talente zu unterdrücken. Der Planet und das Leben müssen geschützt werden. Unsere Lebensart wird sich den neuen Gegebenheiten anpassen und weniger hektisch, genügsamer, besonnener werden müssen.

Falls die neue Welt auseinanderbricht, muss Europa in Vielfalt geeint mit gutem Beispiel vorangehen und sich an dem deutsch-französischen Modell einer erfolgreichen Versöhnung zwischen ehemaligen Feinden orientieren. Nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie dessen Fortsetzung im Kalten Krieg entwarfen die Erbauer von Paneuropa, Richard Coudenhove-Kalergi und Otto von Habsburg, die Pläne eines Kontinents des Friedens und der Freiheit. Das aktuelle Europa entspricht ihren Wünschen. Diese dritte „Nachkriegszeit“ bietet uns jetzt wie ihnen damals die Chance, unseren supranationalen Verein auf den Fundamenten, die wir in Straßburg, Frankreich, ganz nahe zum Europaparlament und zu Europarat gelegt haben, neu aufzubauen. Unsere Reform wird neue, aktuelle, konkrete Ziele umfassen.

Die digitale Kommunikation bietet dabei gute Möglichkeiten zur Überbrückung von Distanzen. Diese Verwandlung hatten wir bereits seit fünf Jahren in der Vor-Corona-Zeit mit neuen Arbeitsweisen, zukunftsweisenden Analysen und frischen Ideen vorbereitet. In der „Welt danach“ liegt es an uns, Europa neu zu denken, seine Architektur neu zu gestalten. Gemeinsam mit unseren Brüdern und Schwestern der europäischer Nationen wollen wir noch mehr Brücken über Flüsse bauen, diese überqueren und neue Landschaften entdecken.

1989-90 aus dem Kalten Krieg auferstanden, vom Stigma der Jahre 2001 (der islamische Angriff auf die Zwillingstürme von New York), 2008-2010 (die Wirtschafts- und Finanzkrise, die den Euro beinah versenkt hätte) und 2020-21 (die Coronavirus-Pandemie) gekennzeichnet, müssen wir den Schaden bewerten. Viele haben die Schwingungen der planetarischen Mutationen nicht gespürt.

Viele haben nicht die Erschütterungen nicht gespürt. Sie bilden sich ein, dass sie auf denselben Stränden, auf den alten Pfaden wandern werden. Dass die Zeit die Ängste vergessen lässt und dass die Versicherungen helfen, die Wunden vernarben zu lassen. Dass sich nichts ändert. Wir dürfen aber nicht den Rückwärtsgang einschalten, von Veränderungen unberührt bleiben, als wäre nichts geschehen. Wir treten in eine neue Ära ein, in der sich das internationale Kräfteverhältnis wie die Plattentektonik verschoben hat. Wenn wir Software, Programme, Verhaltensweisen und Weltanschauung nicht reformieren, wird Europa untergehen. Noch schlimmere Viren als corona-2020 liegen auf der Lauer. Der Planet wird geröstet. Das Haus brennt. Müssen wir uns dem Unvermeidlichen beugen?

Nein, nichts ist festgeschrieben. Die Zukunft ist ein unbeschriebenes Blatt. Der europäische Geist kann Wüsten befruchten, das Schmelzen des Eises verlangsamen, Tornados stoppen und das Leben verlängern. Und dann, wer weiß, vielleicht hat uns die Corona-Krise den Dritten Weltkrieg erspart, der einigen als bedrohlich erschien, denn es hat sich herausgestellt, dass die Armeen durch das Virus schneller als durch die Artillerie vernichtet werden könnten. (Sophie von Stralendorff,  J-P. Picaper - Juni-Dezember 2020) 

Nachruf: Olivier Dassault Ingenieur, Künstler und Politiker

Gleich zum Beginn des Jahres 2021 baten wir die Pressestelle von Dassault Aviation und die Redaktion der Pariser Tageszeitung "Le Figaro" um die Erlaubnis, die Neujahrsbotschaft von Olivier Dassault abzudrucken, die so überzeugend, aufbauend und offen für die Zukunft war. Diese Stellungnahme war ganz im Sinne der Dassault-Familie, die bildlich gesagt, schon immer in verschiedenen Formen in die Lüfte stieg, um über den Horizont hinauszuschauen.

Am Sonntag, den 7. März 2021, starb der Enkel großer Flugzeugbauer bei einem Hubschrauberunfall im Alter von 69 Jahren. Sein Hubschrauber prallte beim Start gegen einen Baum. Wir konnten es nicht glauben! Noch in der gleichen Woche hatten wir beschlossen, mit ihm Kontakt aufzunehmen, um ihn in ein Hilfsprojekt in einem durch Krieg, Anschläge und Intoleranz angeschlagenen europanahe Land einzubeziehen, das unsere Paneuropa-Konferenz in Straßburg durchführen wird.

De facto Chef des Industriekonzerns Marcel Dassault, Präsident der Denkfabrik „Génération Entreprise - Entrepreneurs associés“, war Olivier Dassault der würdige Enkel seines Großvaters Marcel Dassault, der in den 1920er und 30er Jahren als erster begriffen hatte, dass es notwendig war, große Metallflugzeuge zu bauen. Als Freund von Jacques Chirac, dann von Nicolas Sarkozy, war er auch Abgeordneter des Départemen Oise bei Paris im französischen Parlament Die Politik war seine andere Leidenschaft, neben der Fotografie als ausstellender Fotograf und Buchautor, neben der Musik als Pianist und Komponist und neben seinem Engagement in den Medien als Direktor des "Figaro".. Seine beliebtesten Sportarten waren Golf, Jagen und Tauchen.

Er war ein moderner, sozialer Unternehmer. (361. Vermögen der Welt, laut Forbes), dieser leidenschaftliche Innovator, gelernter Ingenieur, begabter Pilot, Sportler, dieser mit mit Feingefühl und mit einem beeindruckenden Gedächtnis ausgestattete Mann wird Frankreich und Europa fehlen, er, der sich als Politiker für die europäische Steuerkonvergenz eingesetzt hatte. Mit drei Geschwistern aufgewachsen hatte er selbst drei Kinder. (JPP)