Es ist Europa


1. VirtuellesTeffen vom 23. Mai 2021
2. "Es ist Europa" Paneuropäische Konferenz von Strassburg - "C l'Europe"- "It is Europe"
3. Durch Frankreich muss ein Ruck gehen und darauf folgt der Neuaufbau



Ein virtuelles Treffen

Die „Paneuropäische Konferenz von Straßburg », « Es ist Europa » organisierte am 23. Mai 2021 einen "entmaterialisierten" Meinungsaustausch per Videokonferenz. Aufgrund von Grenztransitbeschränkungen war eine "Face-to-Face"-Konferenz für unsere deutschen, österreichischen, schwedischen, ukrainischen und französischen  Freunde nicht möglich. So sprachen wir in „Distance-online“ statt auf einer „Präsenzsitzung“ miteinander. Nach einem Rückblick von Jean-Paul Picaper, dem Koordinator des Vereins, ergriff Mélanie Bretel-André, Professorin für Germanistik in Straßburg und Mitglied unseres Beirats, das Wort, um über einen der berühmtesten Vorkämpfer Europas, den dreisprachigen elsässischen Schriftsteller André Weckman, zu referieren. Sie präsentierte einen Film, in dem dieser  begnadete Europäer sein Schicksal und dasjenige des Elsass erklärt. In naher Zukunft werden wir kommentierte Auszüge aus diesem Film online stellen.
Hiermit die Zusammenfassung des Lebensbeginns unseres Vereins in den letzten 7,5 Monaten :

Guten Tag an alle.
Wir verwenden, wie Sie sehen, eine neue Sprache, ein "Newspeak", und praktizieren neue Arbeitsweisen, die vor nur zwei Jahren nicht üblich waren. Wir haben uns seit Monaten nicht mehr physisch getroffen und es ist eine Freude, einige von uns trotz der immer noch bestehenden Einschränkungen wieder auf dem Bildschirm zu sehen.

Wie Sie wissen, haben wir uns entschieden, alle unsere Management- und Verwaltungsvorgänge als " digitale Sitzungen" durchzuführen, um Zeit, Geld und Kraft zu sparen. Zum anderen werden wir uns "direkt persönlich" treffen, um Ideen und Wissen auszutauschen und politische, kulturelle und wissenschaftliche Orte zu besuchen.

Ich behaupte, dass die sogenannte sanitäre " Soziale Distanzierung“ zwischen den Menschen nicht "sozial", sondern "unsozial" ist. Die Menschen haben gelernt, einander zu misstrauen, zu meiden, Aggression und Gewalt nehmen zu. Aber die Gesten der Solidarität nehmen auch zu. Unser Verein will genau das fördern. Zerbrochene Bande erneuern, Brücken bauen, auch wenn sie im Moment nur aus Luft bestehen, ein supranationales Netzwerk von Freundinnen und Freunden bilden, die sich alle kennen und helfen. Seit fünf Jahren reagierten wir auf diese Erwartungen, indem wir jedes Jahr in Straßburg Studentinnen und Studenten oder junge Berufstätige, zusammengebracht haben.

Die ersten Besucher waren Ukrainer und Österreicher und natürlich auch Franzosen, dann kamen auch Deutsche, um die sich Paneuropa Frankreich Paris nicht kümmern wollte und konnte. Wir mussten auf einer gesamteuropäischen und neutralen Ebene handeln statt in einem ausschliesslich französischen politischen Rahmen ohne Zukunft. In der Zwischenzeit ist unsere Straßburger Gruppierung mit der Unterstützung von Rainhard Kloucek von Paneuropa Österreich und der Stadtgemeinde Straßburg und mit Hilfe des Teams vom Straßburger „Ort Europas“, dem "Lieu d'Europe", von wo aus ich spreche, denen allen ich herzlich danke, gewachsen.

In der Zwischenzeit hat unser Strassburger Gewächs Äste bekommen. Im "Lieu d'Europe" in Straßburg haben wir uns zum letzten Mal am 27. Oktober 2018 getroffen. Der Höhepunkt unserer Treffen war unser Berliner Seminar vom 19. Oktober 2019. Da lebten wir noch ohne Mundschutz. Und dann kam über fast das gesamte Jahr 2020 und zwei Drittel des Jahres 2021 das schwarze Loch der Pandemie.
Wir haben diese Auszeit genutzt, um über uns selbst nachzudenken.

Alle zusammen haben wir 2020 in Straßburg "Es ist Europa“ gegründet, einen unabhängigen grenzüberschreitenden Verein, mit einer neuen rechtlichen, finanziellen und elektronischen Identität, der ein neues Internet-Journal und Video-Interviews macht. Diese Gruppierung ist jünger, sehr weiblich, als Netzwerk in ganz Europa organisiert und vor allem frei, entsprechend den Realitäten unserer Zeit zu denken, statt sich an vergangenen Ideologien und verstaubten Mythen zu orientieren. Zu meinem Erstaunen sind die meisten unserer Mitglieder uns treu geblieben und neue Mitglieder sind zu uns gekommen. Als Koordinator des Vereins danke ich Ihnen allen. Europa hat mit Ihnen eine Zukunft.
Ich möchte den „Ort Europas“ auch denjenigen zeigen, die ihn noch nicht kennen. (Fotos werden übertragen)

Im Glauben, Krankheit und Depression ausnutzen zu können, prophezeiten Schwarzmaler und professionelle Defätisten, jene Leute, die ständig den Zusammenbruch des Euro, Arbeitslosigkeit, Krise und Elend vorhersagen, dass das Europäische Parlament vollständig und dauerhaft nach Brüssel umziehen würde. Aber wir sind gegen den Strom geschwommen und haben uns im Frühjahr und Sommer 2020 entschlossen, uns in Straßburg anzusiedeln, die natürlich eine französische, aber vor allem eine europäische Stadt ist. Es war absurd, nicht wahr? Aber es heißt, dass alles, was nicht auf den ersten Blick absurd erscheint, wertlos ist.

Und das Wunder war vollbracht.
Am 9. Mai 2021, also vor zwei Wochen, kam der Präsident der Französischen Republik, Emmanuel Macron, ins Europäische Parlament nach Straßburg. Er hatte wunderbare Worte für die Stadt. Er sagte"In einer Zeit, in der unsere Werte angegriffen und in Europa selbst bedroht werden, ist es wesentlich, sich daran zu erinnern, dass Straßburg die Hauptstadt der europäischen demokratischen Freiheiten und unserer Werte ist. Und der Platz des Europäischen Parlaments ist in diesem pulsierenden Herzen der europäischen Werte. Wenn Brüssel die Hauptstadt der Büros Europas ist, dann ist Straßburg die Hauptstadt seiner Seele und seines Herzens, wo gedacht wird, wo seine Werte verteidigt werden".

Die Briten, die Sraßburg "killen" wollten, haben Europa verlassen. Sie werden eines Tages barfuß und im Hemd zurückkommen. Weder die Russen, noch die Türken, noch die Anziehungskraft des Mondes werden das Europa von Robert Schuman und Konrad Adenauer, von Valéry Giscard d'Estaing und Helmut Schmidt, von Helmut Kohl und François Mitterrand aus Straßburg vertreiben. All jenen, die die europäische Demokratie aus Straßburg vertreiben wollen, wird Frankreich mit seinem Vetorecht im Europäischen Rat antworten. Es ist angenehm mit einem Sieg etwas anzufangen.

Aber die Welt hat sich verändert. Die Welt verändert sich. Nicht überall zum Besseren. Das macht es schwer, an Fortschritt zu glauben. Und doch ist es unser Grund zu sein und zu handeln. Ich persönlich glaube mehr an die Wissenschaft und an die Kultur als an die Politik als Rettung. Das zeigt uns zurzeit der Impfungsfeldzug gegen die Covid 19, wovon jemand gesagt hat, dass es "ein kleiner Schrirtt für den Menschen, aber ein grosser Schritt für die Immunität" ist. Ich denke, dass sich unser Verein von nun an mehr dem Wissen als der Politik zuwenden soll. Die Politik befindet sich derzeit in einer Definitions- und Sinnkrise. Wer kann schon sagen, was die Linke noch von der Rechten unterscheidet? Die wirtschaftlichen, klimatischen, migratorischen, Ernährung-, Gesundheit- und relationalen Probleme sind so groß, dass keine politische Kraft eine Patentlösung dafür haben kann. Diejenigen, die etwas anderes behaupten, sind Lügner.

Vernunft und Recht haben in Europa Frieden geschaffen. Jean Monnet und Robert Schuman, die Väter Europas, kamen nicht aus einer politischen Partei. Sie waren außergewöhnliche Männer. Dank ihnen wird keine Macht jemals wieder in der Lage sein, die Europäer zu zwingen, Armbrüste, Gewehre und Maschinengewehre gegeneinander einzusetzen. Die europäischen Nationen waren sich meist uneins. Sie sind zu Klammern geworden, die das europäische Patchwork zusammenhalten. Nicht nur zwischen Deutschland und Frankreich, sondern zwischen allen 27 Staaten zusammen. Selbst die kleinsten von ihnen, wie Luxemburg mit seiner Dreisprachigkeit und Österreich mit seiner immensen Vergangenheit und großen Kultur werden gleichberechtigt zusammengehalten. Ein Österreicher, Otto von Habsburg, war der erste, der im August 1989 in Sopron, Ungarn, den Eisernen Vorhang durchbrach. In den letzten Tagen, als auf den Straßen von Paris und Berlin antisemitische Parolen gebrüllt wurden, hissten das österreichische Bundeskanzleramt und das österreichische Außenministerium die israelische Flagge. Auch in Deutschland auf dem Haus der CDU-Partei von Angela Merkel und in verschiedenen Städten wirde die blau-weisse israelische Flagge gehisst

Österreicher haben Mumm. Manche Deutsche auch. Und andere, die zu Israel, zur Ukraine, zu Armenien stehen.. Ich denke an den Lebenswillen des kleinen Georgiens im Angesicht des riesengrossen Russlands. Unser Generalsekretär ist Georgier, und darüber bin ich froh.

Noch zwei Bemerkungen zum Abschluss:

Erstens: Wir müssen wir selbst sein. Wir können kleinen Völkern nur helfen und in der Welt handeln, wenn wir unsere europäische Identität stärken. Wir sollten nie vergessen, dass wir einen nationalen Pass haben, aber dass alle unsere Pässe die rotbraune Farbe Europas haben. Wir sollen diese Dualität lieben.

Zweitens müssen wir die Zeitmessung beherrschen: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. In Berlin im Jahr 2019 hatte mich unsere deutsche Freundin Sophie, Mitglied heute unseres Vorstands, auf eine kleine Inschrift in französischer Sprache auf einem Überbleibsel der Berliner Mauer aufmerksam gemacht. Ich las: "Se souvenir pour évoluer" (Sich erinnern, um sich zu entwickeln). Das haben wir zu unserem Motto gemacht.

Vorsicht: Wir dürfen nicht Sklaven des Erinnerns sein. Wir müssen die Lehren aus der Geschichte ziehen, aber die Erinnerung darf weder die Gegenwart noch die Zukunft vor uns verbergen. (Jean-Paul Picaper, 23.05.2021

"ES IST EUROPA. PANEUROPÄISCHE KONFERENZ VON STRASSBURG - C l'EUROPE- IT IS EUROPE

So lautet der von einer Generalversammlung ihrer Mitglieder angenommene Name unserer Konferenz. In der Eurometropole angesiedelt, im Vereinsregister des Straßburger Regionalgerichts, Band 98, folio n° 136 eingetragen ist "C L'EUROPE" eine durch das Elsässisch-Moselländische Recht (Gesetz von 1908) geschützte Rechtspersönlichkeit. Dem Modell der friedlichen und freien paneuropäischen Union von Richard Coudenhove-Kalergi und Otto von Habsburg treu respektiert sie die von Robert Schuman und Jean Monnet, Valéry Giscard d'Estaing und Helmut Schmidt, Helmut Kohl und François Mitterrand geschmiedete Architektur der Europäischen Union, die aktuell von Emmanuel Macron und Angela Merkel konsolidiert wird.
Es bleibt noch viel zu tun, aber die EU ist ein Konzept, das in der Welt und in der Geschichte einzigartig ist. Ihre Exekutive mit Sitz in Brüssel, der aus gewählten Vertretern ihrer Mitgliedsstaaten und ihrem ständigen Präsidenten bestehende Europäische Rat, wird durch die administrative und prospektive Arbeit der Europäischen Kommission unterstützt. Die EU wird in Straßburg durch das seit 1979 direkt gewählte Europäische Parlament legitimiert. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich das souveräne Europa im europäischen Viereck eingerichtet: Brüssel (Exekutivgewalt), Luxemburg (Judikative), Straßburg (Legislative), Frankfurt (Währung und Finanzen).
Das Paris-Bonn-Tandem, jetzt Paris-Berlin, ist der Grundpfeiler Europas. Die Brüsseler Kommission und die Europäische Zentralbank in Frankfurt werden von einer Deutschen und einer Französin geleitet. Der Europäische Rat ist minimalist: Derzeit ist ein Belgier an dessen Spitze. Deutschland-Frankreich ist aber nicht das ganze Europa, nicht das Paneuropa. Die Achse Europas, sein Rückgrat, ist der Rhein. Die Rheinfurche, einst eine Grenze zwischen "Erbfeinden", ist zum blauen Band des Friedens geworden, den die Gallier "rhen", "der Fluss", nannten, wo sich deutsche Gewässer mit französischen mischen.
Im Unterschied zu anderen Gruppierungen der Paneuropa-Bewegung ist "Es ist Europa" kein nationaler Verein. Er strahlt aus über die Grenzen hinweg, die überschritten werden können (außer im Falle der momentanen Anwendung vom Artikel 23 des Schengener Abkommens). Weit über die Grenzen von Deutschland und Frankreich hinau wollen wir ein Kanal für Ideen der Paneuropa sein,. Willkommen sind alle Bürgerinnen und Bürger aller EU-Mitgliedsstaaten, aber auch Europas im Ganzen. Kein Europäer ist in unseren Augen ein Ausländer.
Autonom und souverän ist unsere Paneuropa-Konferenz keinem Verband, keiner politischen Partei, keiner Gewerkschaft und keiner religiösen, ideologischen oder ethnischen Gemeinschaft unterstellt und ist selbst keine von ihnen.
Sie ist weder eine Massenorganisation noch ein elitärer Club, sondern eine Vorhut. Sie ist ein Forum, in dem Freunde Europas diskutieren. Ihr Motto lautet "Sich erinnern, um sich weiter zu entwickeln" (Remembering to evolve).
 (Der Vorstand, Straßburg, 23. Dezember 2020)
IN NECESSARIIS UNITAS - IN DUBIIS LIBERTAS - IN OMNIBUS CARITAS
Der Autor des folgenden Artikels, den viele Leser unserer Webseite geschätzt haben, Leiter der letzten großen privaten Luftfahrtgesellschaft der Welt, der französische Pilot, Ingenieur, Politiker und Künstler, Olivier Dassault, ist am 7. März 2021 bei einem Hubschrauberunfall ums Leben gekommen. Wir haben beschlossen, seine sehr ermutigende Neujahrsbotschaft, die er Anfang des Jahres veröffentlicht hatte, bis zum 31. Dezember 2021 online zu halten. (siehe den Nachruf in unserer "Geschehen"-Seite unten)

Durch Frankreich muss ein Ruck gehen und darauf folgt der Neuaufbau
Botschaft von Olivier Dassault (†) für das Jahr 2021 zur Lage in Frankreich

Lebewohl 2020, niemand wird dich vermissen: Und vor allem, komm nie wieder zurück.

Während wir eines der schlimmsten Jahre unserer Zeitrechnung hinter uns lassen, denken wir über das Ausmaß dessen nach, was noch wieder aufgebaut werden muss.
Eine zerrüttete Wirtschaft, eine abgrundtiefe Verschuldung, ganze Wirtschaftszweige am Boden zerstört, unsere Lebensweise auf den Nullpunkt reduziert, die Moral unserer Zeitgenossen auf einem historischen Tiefpunkt. So viele Worte, die zu den Schrecken der gegenwärtigen Epoche beitragen, wie der islamistische Terrorismus, der Kommunitarismus, die Gewalt der extremen Linken und die tausend anderen kleinen Brüche, die zu dem vom Meinungsforschungsdirektor beim IFOP-Institut Jérôme Fourquet so treffend bildlich beschriebenen, zerstückelten „französischen Inselgruppe“ geführt haben.

Es ist an der Zeit, "unseren Mut aus unserer eigenen Verzweiflung zu schöpfen" (Seneca).

Denn eines Tages wird die Hoffnung wiedergeboren werden. Eines Tages wird die freiwillige Impfung der Mehrheit der Franzosen es uns ermöglichen, unsere kollektive Immunität aufzubauen und voranzukommen. Vorausgesetzt natürlich, dass Bürokratie, bürokratische Ungereimtheiten und politische Kleinmütigkeit nicht alles ausbremsen und verhindern!

Eines Tages wird sich die französische Wirtschaft wieder entfalten. Dann wird die Hoffnung noch einmal neu geboren, wie schon mal nach dem ersten Lockdown. Bereits im Dezember hat das französische Statistik-Institut Insee gemessen, dass die Moral der Unternehmer wieder stark anstieg. Für 2021 besteht die Herausforderung nun darin, zu wissen, welche Form dieses Revival annehmen wird: ein U, ein V, ein W, ein L oder ein K. Jeder von ihnen wird ein mehr oder weniger wünschenswertes Wiederherstellungsszenario haben. Leider müssen wir jedoch berücksichtigen, dass es Geschäfte geben wird, die nicht wiedereröffnen werden, Unternehmen, die endgültig schließen werden, und Arbeitsplätze, die vernichtet werden. Wie die Besatzung eines Schiffes, die sich darauf vorbereitet, von einer Schurkenwelle angegriffen zu werden, müssen wir bereit sein, uns an die Hoffnung zu klammern, wie wir uns an die Reling klammern und darauf warten würde, dass sie zuschlägt, im Wissen um den Schaden, der auf uns zukommt.

Trotz Schock, Schaum und Seegang wird die Sonne durch die Sturmwolken stechen. Die agileren unter uns werden sich schneller erholen. Die stärksten und widerstandsfähigsten auch. Diejenigen, die sich rechtzeitig haben impfen lassen, diejenigen, die sich entschieden haben, die Veränderungen in der Welt durch die Digitalisierung ihrer Prozesse und Aktivitäten vorwegzunehmen, und diejenigen, die von Anfang an die nötige Reaktionsfähigkeit hatten, um auch den Schock abzufangen. Der Beweis dafür sind die unabhängigen Buchhandlungen, die sich zusammengeschlossen haben, um ihre Bücher online anzubieten, die Restaurants, von den hochwertigsten bis zu den bescheidensten, die ihre Gerichte nach dem System „Click and Collect“, klicken und abholen, weiter verkauft haben.

Fast ein Jahr lang war der Einsatz unserer Mitbürger bewundernswert, vor allem jener, die sich schon im März an der Front befanden - oft die vom Politik-Philosophen Denis Maillard geschätzten "Backoffice"- Arbeiter, die Kassiererinnen, die Auslieferungsfahrer, die LKW-Fahrer, die Staplerfahrer.... Die Pfleger, diese Krieger, verdienen als Standbilder verewigt zu werden und die Huldigung der dankbaren Nation. Vor allem aber verdienen sie angemessene Mittel, um ihre Aufgabe zu erfüllen.
Nach dem Ruck kommt der Wiederaufbau. Der Wiederaufbau unserer Wirtschaft und hoffentlich auch unserer Gesellschaft.

2020 hat uns die Notwendigkeit von strategischem Denken, von Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit gelehrt. Dies sind die drei Achsen, auf denen wir von nun an aufbauen müssen.

Strategisch zu denken bedeutet, die Produktion lebenswichtiger Geräte in Frankreich zu garantieren und sich nicht auf Drittländer am anderen Ende der Welt zu verlassen. Für die Europäische Union bedeutet das auch, über ihre technologische Unabhängigkeit gegenüber den amerikanischen und chinesischen Digitalgiganten nachzudenken. Das Ende der europäischen Naivität, die der französische Kommissar Thierry Breton in der Europäischen Kommission fördert, ist eine Auftrag im Sinne des öffentlichen Wohls, und wir müssen uns freuen, dass die Bewegung in diese Richtung 2021 an Fahrt gewinnt. Coralie Delaume, eine begabte junge Essayistin und Analytikerin der europäischen Frage, die uns leider im letzten Jahr verlassen hat, hätte diese Umorientierung begrüßt.

Strategisch zu denken bedeutet, die Energieunabhängigkeit Frankreichs durch die Sicherung der Kernenergie als Quelle der Energieversorgung zu gewährleisten und damit dem Wahnsinn ein Ende zu setzen, auf die einzige CO2-freie Energie verzichten zu wollen.

Strategisch zu denken bedeutet schließlich nicht zu behaupten, dass Frankreich alles allein machen muss, sondern sich auf die wesentlichen Sektoren zu einigen, die mit dem Leben der Nation verbunden sind, wie Ernährung, Energie und Verteidigung. Ja, unsere Unabhängigkeit ist nicht verhandelbar. Sie wird nicht durch politischen Opportunismus oder die Emotion des Augenblicks verwässert. Es ist die Kammlinie, auf der wir immer fest stehen müssen. Das ist auch eine der Lektionen des vergangenen Jahres.

Der Wiederaufbau unserer so gespaltenen Gesellschaft bedeutet, die Rückeroberung der "verlorenen Gebiete der Republik" in den Griff zu bekommen, um sie wieder in den nationalen Schoß zu holen und ihnen die gleichen Chancen wie den anderen zu geben. Dazu gehört ein erneutes, starkes Auftreten der öffentlichen Dienste, insbesondere der Polizei und der Gendarmerie, die das erste Bollwerk gegen den Zerfall der Gesellschaft sind, dicht gefolgt von der republikanischen Schule, ohne die der Kitt des Bürgersinns nicht greifen kann. Wesentliche Aufgabe: Der politische Islam ist da, der mit seiner Lesart der binären Welt - sie gegen uns -, für die unkritischen und ungebildeten Köpfe leicht zugänglich ist, und sie dazu auffordert, sich in die Risse unserer Gesellschaften einzuschleichen, um daraus unheilbare Brüche zu machen. Der Umbau unserer Gesellschaft bedeutet, die illegale Einwanderung härter zu bekämpfen und endlich auf selektive Einwanderung statt auf den Familiennachzug zu setzen, der seit 2020 sinnlos geworden ist. Die exklusive Ifop-Umfrage, die auf diesen Seiten im Rahmen der Figaro Enquêtes veröffentlicht wurde, ist aufschlussreich: Die Franzosen wollen keine Neuankömmlinge mehr aufnehmen. Nur die nützlichen Idioten der äußersten Linken, die der rechtsextremen Nationalen Sammlungsbewegung (Rassemblement National) in ihrem Kampf um die Präsidentschaft der Republik als Steigbügelhalter dienen, verteidigen die totale Öffnung der Grenzen. Sie stellen damit die Realität der "Identitätsfalle" zur Schau, die der Politologe der linken Mitte Laurent Bouvet ermittelte.

Unsere Gesellschaft wieder aufzubauen bedeutet auch, gegen die Risse zu kämpfen, die unseren Boden aushöhlen. Ultra-Minderheiten-Gemeinschaften, die vor allem über soziale Netzwerke sehr aktiv sind, stellen sich als Zensoren, Erpresser hin oder gehen sogar bis zu physischen Drohungen, um andere Menschen auszuschalten. Diese Abschaffungskultur, die „cancel culture“, die ihren Ursprung in den Vereinigten Staaten hat und erst kürzlich wieder von einem ihrer Opfer, dem amerikanischen Biologen und Entwicklungstheoretiker Bret Weinstein, angeprangert wurde, muss überall bekämpft werden, denn sie trägt den Keim künftiger Diktaturen in sich. Wir dürfen uns nicht von Online- oder Medieneinschüchterungen beeindrucken lassen, sondern müssen den Begriff der Distanzierung wieder einführen, wir müssen Abstand nehmen und aufhören, auf alles unmittelbar und ständig zu reagieren. Die Tribunale der sozialen Netzwerke von heute sind nie leer. Es ist an der Zeit, ihnen ein Ende zu setzen und aufzuhören, auf ihrem Revier mitzuspielen.

Der Wiederaufbau unserer Gesellschaft bedeutet schließlich und vor allem, unserer Jugend Hoffnung zu geben. Unsere Kinder, vermummt, unter Hausarrest, gezwungen, tagtäglich die Verwaltungsvorschriften und Gesundheitsvorschriften zu ertragen, die zum Schutz der Älteren erlassen wurden – dabei verstehen sie das -, zahlen einen sehr hohen Preis für die Krise. Heute in ihrem Studium, ihrem sozialen Beziehungsnetz, ihren Reisen, ihren Freundschaften, ihren Liebschaften eingeschränkt, werden sie sich morgen in einer unruhigen Wirtschaft wiederfinden, mit einer Arbeitswelt konfrontiert werden, die härter als je zuvor sein wird, reich vor allem an den Schulden und Tragödien, die wir ihnen hinterlassen. Den Ruck nach vorne müssen wir auch für sie bewerkstelligen.

Es gibt Jahre, in denen der Leitartikel zum 1. Januar schwieriger zu schreiben ist als in anderen. Wenn 2020 ein Jahr des Lockdowns war, sind die Samen unserer zukünftigen Wiederauferstehung dennoch gesät und werden im fruchtbaren Boden unserer Hoffnungen reifen. Wir sind es uns selbst schuldig, die Gärtner unserer Hoffnungen zu sein und sie keimen und wachsen zu lassen, um deren Früchte zu ernten. Das sind wir all denen schuldig, die uns im vergangenen Jahr verlassen haben, aber auch denen, die bleiben. Ab morgen werden wir wieder aufbauen müssen, denn "wahrer Mut lässt sich nicht unterkriegen". (...) Ich wünsche Ihnen allen, liebe Leser und Leserinnen, ein Jahr 2021 voller Mut, Hoffnung und Leben!
Olivier Dassault
Ehemaliger Geschäftsführer der Figaro-Zeitungsguppe (in "Le Figaro", Dienstag, 5. Januar 2021)